Anton

Anton

Anton (Abkürzung des röm. Namens Antonius, franz. Antoine), Name einiger bemerkenswerten Fürsten: 1) A. von Bourbon, seit 1555 Titularkönig von Navarra, geb. 22. April 1518, gest. 17. Nov. 1562 in Andelys, ältester Sohn des Herzogs Karl von Vendôme, vermählt 1548 mit Johanna d'Albret, der Tochter und Erbin Heinrichs II. von Navarra, Vater Heinrichs IV. von Frankreich, war mit seinem Bruder Ludwig von Condé das Haupt der hugenottisch-bourbonischen Verbindung gegen die Guisen, wurde aber verhaftet und erst nach Franz II. Tod (5. Dez. 1560) befreit. A. ward hierauf Generalstatthalter des Reiches, schloß sich aber aus Ehrgeiz dem katholischen Triumvirat des Herzogs Franz von Guise, des Connétable von Montmorency und des Marschalls von Saint-André an, kämpfte gegen die Hugenotten, nahm Bourges ein und belagerte 1562 Rouen. Er starb an einer hier erhaltenen Wunde. Vgl. de Ruble, Antoine de Bourbon et Jeanne d'Albret (Par. 1881–86, 4 Bde.).

2) A. Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, dritter Sohn des Herzogs August und der Prinzessin Dorothea von Anhalt-Zerbst, geb. 4. Okt. 1633, gest. 27. März 1714, trat 1710 in Bamberg öffentlich zur katholischen Kirche über, nachdem seine Tochter Elisabeth Christine Gemahlin des spätern Kaisers Karl VI. und katholisch geworden war. In der Fruchtbringenden Gesellschaft führte er den Namen »Der Siegprangende«. Er dichtete außer Singspielen und geistlichen Liedern die beiden schwülstigen Romane: »Die Durchleuchtige Syrerinn Aramena« (Nürnb. 1660–73, 5 Bde.) und die »Römische Octavia« (zuerst Nürnb. 1677, 6 Bde.). Die in die »Octavia« verflochtene »Geschichte der Prinzessin Solane« behandelt die Schicksale der Prinzessin von Ahlden, Sophie Dorothea (s. Sophie). Vgl. Hoeck, A. Ulrich und Elisabeth Christine von Braunschweig (Wolfenb. 1845); Cholevius, Die bedeutendsten deutschen Romane des 17. Jahrhunderts (Leipz. 1866); Sonnenburg, Herzog A. Ulrich von Braunschweig als Dichter (Berl. 1896).

3) A. Ulrich, Prinz von Braunschweig, zweiter Sohn Ferdinand Alberts, Herzogs von Braunschweig-Bevern, Bruder des berühmten preußischen Generals Herzog Ferdinand, geb. 28. Aug. 1714, gest. 19. März 1776, kam 1733 auf Wunsch der Kaiserin Anna nach Rußland und wurde 1739 mit deren Nichte Anna Leopoldowna (s. Anna 9) vermählt. Nach dem Tode der Kaiserin und dem Sturze des Regenten Biron (s. d.) wurde der Prinz von seiner Gemahlin, der Regentin Anna, zum Generalissimus erhoben, aber schon 6. Dez. 1741 mit seiner entthronten Gemahlin und ihren Kindern interniert. Katharina II. ließ bald nach ihrer Thronbesteigung ihm den Vorschlag machen, für seine Person Rußland zu verlassen; seine Kinder sollten zurückbleiben, da man ihnen aus politischen Gründen nicht die Freiheit geben könne. Der Vater zog jedoch die Gefangenschaft mit seinen Kindern der Freiheit vor und starb im Gefängnis. Sein Sohn Iwan wurde 1764 in Schlüsselburg ermordet (s. Iwan). Seine übrigen vier Kinder ließ man endlich 1780 frei, Katharina II. verwilligte ihnen einen Jahrgehalt und schickte sie nach Horsens in Jütland. Vgl. Brückner, Die Familie Braunschweig in Rußland (Petersb. 1876).

4) A. Klemens Theodor, König von Sachsen, zweiter Sohn des Kurfürsten Friedrich Christian von Sachsen und der Marie Antonie von Bayern, geb. 27. Dez. 1755, gest. 6. Juni 1836, lebte, ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt, bis zu seiner Thronbesteigung in Zurückgezogenheit, meist auf dem Schloß Weesenstein. Er vermählte sich 1781 mit Marie Karoline Antonie von Sardinien, nach deren kinderlosem Tode 1787 mit Maria Theresia von Toskana, der Tochter Kaiser Leopolds II., die vier Kinder dieser Ehe starben frühzeitig. Am 5. Mai 1827 in seinem 72. Lebensjahr durch den Tod seines Bruders Friedrich August I. (s. d.) auf den Thron berufen, erregte er durch die Erklärung, daß er im Geiste seines verstorbenen Bruders regieren werde, die Wünsche nach einer Reform der sächsischen Zustände nur um so heftiger. Die Begünstigung des Katholizismus, die Übergriffe der Hofgeistlichkeit und die von dem Kabinettsminister v. Einsiedel begünstigte scheinheilige Orthodoxie brachte die Unzufriedenheit 1830 zu offenem Ausbruch. Zu ihrer Beschwichtigung nahm A. den Prinzen Friedrich August, den Sohn seines Bruders Maximilian und präsumtiven Thronerben nach Maximilians Entsagung, zum Mitregenten an.

5) A. Ulrich, Herzog von Sachsen-Meiningen, jüngster Sohn Herzog Bernhards I., geb. 1687, gest. 23. Jan. 1763 in Frankfurt a. M., kämpfte im Spanischen Erbfolgekrieg als pfalz-neuburgischer Offizier in den Niederlanden. 1711 vermählte er sich mit Philippine Elisabeth Cäsar (gest. 1744), der Tochter eines hessen-kasselschen Hauptmanns, die von Kaiser Karl VI. in den Reichsfürstenstand erhoben wurde; doch erklärte Kaiser Franz I. infolge des Widerspruchs der fürstlichen Verwandten gegen die Sukzessionsfähigkeit der Kinder diese Standeserhöhung 1747 für ungültig. 1724 nötigte er seinen Bruder Friedrich Wilhelm, die von diesem eingeführte Primogenitur auf seine eignen Söhne zu beschränken und ihm Anteil an der Regierung einzuräumen. Wegen des Zwistes mit seinen Verwandten lebte A. meist außer Landes, bald in Wien, bald in Frankfurt a. M., bis er, durch den Tod seiner Brüder und Neffen 1746 alleiniger Regent wurde. Die Verhaftung des Oberlandjägermeisters v. Gleichen und seiner Frau führte, da A. die vom Kaiser gebotene Freilassung verweigerte, 1747 zum Einrücken sachsen-gothaischer Exekutionstruppen in das Meiningische (Wasunger Krieg), und erst nach einem Jahre ward die Sache friedlich geschlichtet. In der bald folgenden, 1753 durch Vergleich beendeten Fehde mit Sachsen-Saalfeld besetzten 1752 kurfürstlich sächsische und brandenburg-ansbachische Exekutionstruppen das Land. A. begünstigte die Entfaltung der Industrie im Land und wurde so dessen Wohltäter dadurch, daß er viele gewerbliche Keime im Lande pflanzte, die später Tausende von Händen beschäftigten. Er vermählte sich 1750 zum zweiten Male mit Charlotte Amalie, Prinzessin von Hessen-Philippsthal, die ihm noch vier Töchter und vier Söhne gebar.


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