Lindner

Lindner

Lindner, 1) Gustav Adolf, österreich. Schulmann und Philosoph, geb. 11. März 1828 in Roždalowitz (Böhmen), gest. 15. Okt. 1887 in Prag, besuchte die Universität Prag, auf die er nach kurzem Aufenthalt im bischöflichen Seminar zu Leitmeritz zurückkehrte, um Mathematik und Naturwissenschaft zu studieren. Hierauf wirkte er als Gymnasiallehrer in Trautenau und Jičin, seit 1854 als Professor in Cilli (Steiermark), ward 1871 Direktor des deutschen Realgymnasiums in Prachatitz, bald danach Seminardirektor in Kuttenberg, 1873 Schulrat und 1881 Professor der Pädagogik an der tschechischen Universität in Prag. Als Philosoph ging L. von Herbart aus. Er schrieb: »Lehrbuch der empirischen Psychologie« (Wien 1858; 12. Aufl. von Lukas, 1897; dann 1900 von Lukas selbständig) und »Lehrbuch der formalen Logik« (Graz 1861), nach dessen 7. Auflage A. v. Leclair das »Lehrbuch der allgemeinen Logik« (Wien 1895, 2. Aufl. 1898) herausgab; »Allgemeine Erziehungslehre« (das. 1877; 13. Aufl. von Tupetz, 1905); »Allgemeine Unterrichtslehre« (7. Aufl. von Fröhlich, das. 1891); » Enzyklopädisches Handbuch der Erziehungskunde« (das. 1885, 4. Aufl. 1891); »Einleitung in das Studium der Philosophie« (das. 1866); »Das Problem des Glücks« (das. 1868); »Ideen zur Psychologie der Gesellschaft« (das. 1871). Auch leitete L. die Pichlersche Sammlung »Pädagogische Klassiker« bis zum 18. Bande Nach seinem Tod erschien: »Grundriß der Pädagogik als Wissenschaft« (Wien 1889).

2) Albert, dramat. Dichter und Schriftsteller, geb. 24. April 1831 zu Sulza in Sachsen-Weimar, gest. 4. Febr. 1888 in Berlin, studierte in Jena und Berlin Philologie, wurde 1862 Lehrer an der Realschule in Spremberg, 1864 Gymnasiallehrer in Rudolstadt und gab Proben seines poetischen Talents zuerst in den Dramen: »Dante Alighieri« (Jena 1855) und »William Shakespeare« (Rudolst. 1864). Allgemein bekannt machte er sich durch das Trauerspiel »Brutus und Collatinus« (Berl. 1867; 2. Aufl., Leipz. 1872), das zuerst auf dem Karlsruher Hoftheater zur Ausführung kam und dem Dichter den Schillerpreis eintrug. Es folgten die Dramen: »Stauf und Welf« (Jena 1867) und »Katharina II.« (Berl. 1868). 1867 siedelte er nach Berlin über, wo er anfangs als Privatlehrer tätig war, bis ihm 1872 die Stelle eines Bibliothekars des deutschen Reichstags übertragen wurde, die er indessen 1875 niederlegte. Er verfiel 1885 dem Irrsinn. Von seinen spätern Tragödien: »Die Bluthochzeit oder die Bartholomäusnacht« (Leipz. 1871, 3. Aufl. 1890), »Marino Falieri« (das. 1875), »Don Juan d'Austria« (Berl. 1875) und »Der Reformator« (Leipz. 1883), erfreute sich namentlich die erstgenannte großer Bühnenerfolge. Außerdem schrieb er: »Geschichten und Gestalten« (Leipz. 1877); »Das Ewig-Weibliche«, Beobachtungen über die Frauen (das. 1878, 3. Aufl. 1888); »Der Schwan vom Avon«, Kulturbilder aus Altengland (Berl. 1881); »Das Rätsel der Frauenseele«, Novellen (das. 1881) u. »Völkerfrühling«, historische Novellen (das. 1881). Vgl. A. v. Hanstein, Albert L., Leben und Werke (Berl. 1889).

3) Theodor, Geschichtsforscher, geb. 29. Mai 1843 in Breslau, studierte daselbst und in Berlin, wurde Lehrer an der Realschule am Zwinger in Breslau und habilitierte sich gleichzeitig 1868 für Geschichte an der dortigen Universität. 1874 außerordentlicher Professor geworden, kam er 1876 als ordentlicher Professor an die Akademie zu Münster i. W. und 1888 an die Universität Halle. Er schrieb: »Anno II., der Heilige, Erzbischof von Köln« (Leipz. 1869); »Geschichte des Deutschen Reiches vom Ende des 14. Jahrhunderts bis zur Reformation« (Braunschw. 1875–1880, Bd. 1 u. 2); »Kaiser Heinrich IV.« (Berl. 1881); »Das Urkundenwesen Karls IV. und seiner Nachfolger« (Stuttg. 1882); »Die Veme« (Paderb. 1887); »Deutsche Geschichte unter den Habsburgern und Luxemburgern« (Stuttg. 1890–93, 2 Bde.); »Die Fabel von der Bestattung Karls des Großen« (Aachen 1893, Nachtrag 1896); »Die deutschen Königswahlen und die Entstehung des Kurfürstentums« (Leipz. 1893); » Geschichte des deutschen Volkes« (Stuttg. 1894, 2 Bde.); das im Auftrage des preußischen Kultusministeriums verfaßte Volksbuch: »Der Krieg gegen Frankreich und die Einigung Deutschlands« (Berl. 1895); »Die sogen. Schenkungen Pippins, Karls d. Gr. und Ottos I. an die Päpste« (Stuttg. 1896); »Die deutsche Hause« (Leipz. 1899, 3. Aufl. 1904); »Der Hergang bei den deutschen Königswahlen« (Weim. 1899); »Geschichtsphilosophie« (Stuttg. 1901, 2. umgearbeitete Aufl. 1904); »Weltgeschichte seit der Völkerwanderung«, in 9 Bänden (Bd. 1–3, das. 1901–03). Seit 1893 gibt er die »Hallischen Beiträge zur Geschichtsforschung« heraus.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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