Engelmann

Engelmann

Engelmann, 1) Wilhelm, Buchhändler und Bibliograph, geb. 1. Aug. 1808 in Lemgo, gest. 23. Dez. 1878 in Leipzig, kam 1847 in den Alleinbesitz des väterlichen Geschäfts in Leipzig, dem er seit 1. Sept. 1839 bereits als Teilhaber angehört hatte. E. hob die früher nicht bedeutende Handlung durch den Verlag hervorragender wissenschaftlicher Werke, vornehmlich aus den Fächern der Literatur- und Weltgeschichte (Gervinus, Georg Weber) wie der Naturwissenschaften, zu einem der bedeutendsten deutschen Verlagsgeschäfte. Eine andre Seite von Engelmanns Tätigkeit bildete die Bearbeitung und Herausgabe von Fachkatalogen über verschiedene Zweige der Literatur (seit 1750), z. T. ursprünglich unter Zugrundelegung der frühern Arbeiten von Enslin und Löflund. Die wichtigsten sind: »Bibliotheca scriptorum classicorum« (8. Aufl., bearbeitet von Preuß, 1881); »Bibliothek der schönen Wissenschaften« (1837 bis 1845, 2 Bde.); »Bibliotheca geographica« (1858); »Bibliotheca historico-naturalis« (1846, Bd. 1, dazu 2 Supplementbände); »Bibliotheca zoologica« (von B. Carus und E., 1861). Größtenteils auf Grund seiner eignen bedeutenden Sammlung bearbeitete er: »Daniel Chodowieckis sämtliche Kupferstiche« (1857–60). Von der Universität Jena wurde E. 1858 zum Doktor ernannt. Jetzige Besitzer des Geschäfts sind seine Witwe, Christiane Therese E. (geborne Hasse), und die Erben seines Sohnes Rudolf (s. unten 4); Teilhaber und Leiter ist seit 1888 Emanuel Reinicke (geb. 1848 in Stonsdorf).

2) Georg, Arzt und Botaniker, geb. 2. Febr. 1809 in Frankfurt a. M., gest. 4. Febr. 1884 in St. Louis, studierte seit 1827 in Heidelberg Medizin und Botanik, ging dann nach Berlin, Würzburg und Paris und 1832 nach Missouri. Hier durchstreifte er das Land bis 1835 und ließ sich dann als Arzt in St. Louis nieder. Von Interesse für den Westen Nordamerikas erfüllt, beteiligte er sich an den großen Expeditionen der 1840er und 50er Jahre. Mit Asa Gray bestimmte und beschrieb er die von Lindheimer in Texas gesammelten Pflanzen (Boston 1845–47, 2 Tle.), dann gab er eine Monographie der nordamerikanischen Kalteen heraus (Cambridge 1856) und bearbeitete dieselbe Familie für die »United States and Mexican Boundary Survey« (Wash. 1858). Außerdem lieferte er Monographien über die amerikanischen Arten der Gattungen Cuscuta (St. Louis 1860) und Juncus (das. 1868). Seine »Botanical works« wurden von seinem Sohne und Asa Gray herausgegeben (Cambridge 1888).

3) Johannes, Rechtsgelehrter, geb. 7. Juli (25. Juni) 1832 in Mitau, wurde 1860 zum Professor des russischen Nechte in Dorpat ernannt und trat 1893 in den Ruhestand. Er schrieb außer mehreren nur in russischer Sprache erschienenen Werken: »Die Verjährung nach russischem Privatrecht« (Dorpat 1867; 2. Aufl., russisch, Petersb. 1868); »Peter d. Gr., seine Jugend und seine Reformen«, Rede (Dorpat 1872); »Die Zwangsvollstreckung auswärtiger richterlicher Urteile in Rußland« (Leipz. 1884); »Die Leibeigenschaft in Rußland« (das. 1884); »Das Staatsrecht Rußlands« (in Marquardsens »Handbuch des öffentlichen Rechts«, Bd. 4, Freiburg 1888).

4) Rudolf, Astronom, Sohn von E. 1), geb. 1. Juni 1841 in Leipzig, gest. 28. März 1888, studierte in Bonn und Leipzig, war 1863–74 Observator an der Sternwarte in Leipzig, seit 1871 auch Privatdozent an der Universität, übernahm aber 1874 die väterliche Verlagsbuchhandlung; 1882 erbaute er sich eine kleine Privatsternwarte, auf der er hauptsächlich genaue Doppelsternmessungen anstellte. Er schrieb: »Über die Helligkeitsverhältnisse der Jupiterstrabanten« (Leipz. 1871), gab Bessels »Abhandlungen« (das. 1876, 3 Bde.) und dessen »Rezensionen« (das. 1878) heraus und lieferte eine deutsche Bearbeitung von Newcombs »Populärer Astronomie« (das. 1881; 2. Aufl. von Vogel, 1892).

5) Theodor Wilhelm, Physiolog, Sohn von E. 1), geb. 14. Nov. 1843 in Leipzig, studierte seit 1361 in Jena, Leipzig, Heidelberg und Göttingen, wurde 1866 Assistent bei Donders in Utrecht, 1871 Professor der allgemeinen Biologie und Histologie daselbst, 1889 Professor der Physiologie an Donders Stelle und 1897 Nachfolger von Du Bois-Reymond in Berlin. Er arbeitete zuerst über Infusionstierchen und Flimmerbewegung, studierte dann die Bewegungserscheinungen am Harnleiter und gelangte hierdurch zu Untersuchungen über die allgemeine Physiologie der Muskeln und Nerven. Lange Zeit beschäftigte ihn die Erforschung der mikroskopischen Vorgänge bei der Muskelkontraktion. Hierbei ergab sich ihm die ursachliche Beziehung zwischen der spezifischen Eigenheit doppeltbrechender Substanzen und ihrer Fähigkeit zur Zusammenziehung des Systems, dem sie eingelagert sind. Er zeigte, daß die Ursache der Kraftentwickelung bei der Kontraktion des lebenden Muskels in der Erwärmung doppeltbrechender Teile gegeben ist. Im engsten Zusammenhang mit diesen Forschungen stehen Untersuchungen über die anatomischen Beziehungen zwischen Nerv und Muskelfaser bei verschiedenen Tiergattungen, über die Anatomie und Physiologie der Flimmerzellen, über die elektrischen Erscheinungen der Nerven und Muskeln und über die Entwickelung der pseudo-elektrischen Organe, über Degeneration und feinern Bau der Nervenfasern. E. arbeitete auch über die Anatomie und Physiologie des Protoplasmas, über die Bedeutung der Sauerstoffatmung für dasselbe, über die Reizung von Amoeba und Arcella, über die Drüsen der Froschhaut, über die Geschmacksorgane, die Wirkung des Lichtes auf die Zapfen der Netzhaut und auf die Färbung von Pflanzen. Als einer der ersten unternahm er die Erforschung psychophysiologischer Vorgänge an den niedersten Tieren; er gab wichtige Aufschlüsse über Lichtwirkungen auf Batterien, besonders über Purpurbakterien, und seine Methode zum mikroskopischen Nachweis von Sauerstoff erhellte wesentlich die ursachlichen Beziehungen zwischen Licht und Pflanzenleben und legte den Grund zu der Lehre von der Chemotaxis. Weitere Arbeiten über den Ursprung der Herzbewegungen und die Rolle der Herznerven führten zu einer völligen Umgestaltung der auf diesem Gebiet bisher herrschenden Lehren. Er schrieb: »Zur Naturgeschichte der Infusionstiere« (Leipz. 1862); »Untersuchungen über den Zusammenhang von Nerv und Muskelfaser« (das. 1863); »Über die Hornhaut des Auges« (das. 1867); »Über die Flimmerbewegung« (das. 1868); »Über den Ursprung der Muskelkraft« (1. u. 2. Aufl., das. 1893); »Gedächtnisrede auf Helmholtz (1894) und Du Bois-Reymond« (1898). 1898 übernahm er die Leitung des »Archivs für Physiologie«.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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