Diez [2]

Diez [2]

Diez, 1) Friedrich, Begründer der romanischen Philologie, geb. 15. März 1794 in Gießen, gest. 29. Mai 1876 in Bonn, studierte in Gießen altklassische Philologie, nahm 1813 in einem hessischen Freikorps an dem Feldzug nach Frankreich teil und widmete sich nach seiner Rückkehr dem Studium der neuern Sprachen und Literaturen, das er in Göttingen fortsetzte. Im April 1818 sah er Goethe in Jena, der ihn auf Raynouard und das Studium der provenzalischen Sprache hinwies. Er habilitierte sich 1822 in Bonn und erhielt hier 1830 eine ordentliche Professur der germanischen Sprachen. Als Schriftsteller trat D. zuerst mit seinen »Altspanischen Romanzen« (Berl. 1821) und der Abhandlung »Über die Minnehöfe« (das. 1825; franz. von Roisin, Lille 1842) auf; sodann folgten die Werke: »Die Poesie der Troubadours« (Zwickau 1826; 2. Aufl. von Bartsch, Leipz. 1883; franz. von Roisin, Par. 1845) und »Leben und Werke der Troubadours« (das. 1829, mit zahlreichen Übersetzungen; 2. Aufl. von Bartsch, das. 1882), worin zum erstenmal eine umfassende und wissenschaftliche Darstellung des Wesens und der Entwickelung der provenzalischen Lyrik im Mittelalter gegeben wurde. Seine spätern Hauptwerke sind: »Grammatik der ro manischen Sprachen« (Bonn 1836–38, 3 Bde.; 5. Aufl. in 1 Bd. 1882; engl. von Cayley, Lond. 1862; franz. von Brachet, G. Paris und Morel-Fatio, Par. 1872–76) und das »Etymologische Wörterbuch der romanischen Sprachen« (das. 1853, 2 Bde.; 5. Aufl. von A. Scheler, das. 1887), zu dem Jarnik einen »Index« herausgab (2. Aufl., Heilbronn 1889). Beide Werke behandeln diese Sprachen zum erstenmal vom vergleichenden und historischen Standpunkt aus und sind dadurch für die romanische Philologie epochemachend geworden. Andre Publikationen von D. sind: »Altromanische Sprachdenkmale« (Bonn 1846) und »Zwei altromanische Gedichte« (das. 1852); »Über die erste portugiesische Kunst- und Hofpoesie« (das. 1863); »Altromanische Glossare, berichtigt und erklärt« (das. 1865) und »Romanische Wortschöpfung« (das. 1875). Nach seinem Tod erschienen »Kleinere Arbeiten und Rezensionen« (hrsg. von Breymann, Münch. 1883). Von seinen zahlreichen Verehrern wurde die Gründung einer internationalen D.-Stiftung unternommen, die, von der Berliner Akademie verwaltet, alle 4 Jahre dem hervorragendsten Werk aus dem Gebiete der romanischen Philologie einen Preis von 2000 Mk. zuerteilt. Vgl. Sachs, F. D. und die romanische Philologie (Berl. 1878); Breymann, F. D., sein Leben und sein Wirken (Leipz. 1894); Stengel, D. – Reliquien (Marb. 1894); Behrens, Friedrich D. (Gieß. 1894); W. Förster, Friedrich D. (Bonn 1894).

2) Wilhelm, Maler, geb. 17. Jan. 1839 in Bayreuth, besuchte die Gewerbeschule seiner Vaterstadt und von 1853–56 die Münchener Kunstakademie, in welcher Zeit er auch vier Wochen unter Pilotys Leitung arbeitete. D. ward zuerst durch seine Illustrationen zu Schillers »Geschichte des Dreißigjährigen Krieges« und zahlreiche Arbeiten in den Münchener »Fliegenden Blättern« bekannt, die fast ausschließlich Szenen aus jener Zeit behandeln, deren Eigentümlichkeiten er wie wenige kennt. 1870 ward D. Lehrer und bald darauf Professor an der Münchener Akademie, in welcher Stellung er einen entscheidenden Einfluß nicht nur auf zahlreiche Schüler, sondern auch auf die Entwickelung der ganzen Münchener Schule nach der Richtung des Kolorismus geübt hat. D. führt dem Beschauer auch in seinen kleinsten Bildern ein Stück Kulturgeschichte vor. In seinen Zeichnungen, von denen noch die zu Scherrs »Germania« zu nennen sind, bewegt er sich in leichter, flotter Radiermanier mit offener, klarer Behandlung des Schattens. Mit Vorliebe behandelt er Szenen aus dem Treiben der Raubritter im 16. Jahrh. und aus dem abenteuerlichen Leben des Dreißigjährigen Krieges, wobei er anfangs einen seinen silbergrauen Ton bei schummeriger Stimmung bevorzugte. Seine Hauptwerke dieser Art sind: Die Marodeurs, Exzellenz auf Reisen (1872, in der Münchener Pinakothek), der Hinterhalt, eine Plünderungsszene aus dem 16. Jahrh., das Verhör, Überfall eines Reisewagens im 17. Jahrh., Glücklich entkommen!, bei der Marketenderin, die Strauchritter, schlechtes Quartier, aus der Raubritterzeit (1896). Ein hervorragendes, äußerst farbiges Werk: Picknick im Walde (Rokokozeit), besitzt die Berliner Nationalgalerie. Auf der Münchener internationalen Ausstellung von 1883 wurde ihm für eine in Rembrandtscher Helldunkelart gemalte Anbetung der Hirten die große goldene Medaille zu teil.

3) Robert, Bildhauer, geb. 20. März 1844 in Pößneck (Sachsen-Meiningen), begann 1863 seine Kunststudien auf der Akademie in Dresden, trat 1867 in das Atelier Schillings und arbeitete seit 1872 selbständig. Er unternahm alsdann Studienreisen nach Paris und Italien und war bis 1878 vorzugsweise auf dem Gebiete der dekorativen Plastik tätig (Oberon und Titania für das Hoftheater in Dresden, Heinrich der Erlauchte für die Albrechtsburg in Meißen). Dann wandte er sich der Genreplastik zu und errang 1879 mit der im lebendigsten Realismus ausgeführten Figur eines Gänsediebes, eines mittelalterlichen Scholaren, der zwei Gänse erhascht, einen großen Erfolg (s. Tafel »Bildhauerkunst XVII«, Fig. 4). Sie wurde später als Brunnenfigur in Bronze auf dem Ferdinandplatz zu Dresden aufgestellt. Für das Kollegiengebäude der Universität Straßburg führte er die Statuen von zehn Männern der Wissenschaft aus und war auch später meist auf dem Gebiete der dekorativen Plastik tätig, indem er mehrere öffentliche Gebäude in Dresden, besonders die Kunstakademie, mit Gruppen und Reliefs ausschmückte, zwei monumentale Brunnen für den Albertsplatz in Dresden und mehrere allegorische Figuren für das Reichstagsgebäude in Berlin ausführte. 1881 vollendete er das von Breymann begonnene Kriegerdenkmal für Braunschweig. In den Jahren 1900–1902 entstand das Bismarckdenkmal für Dresden. Er ist seit 1891 Professor an der Dresdener Kunstakademie und seit 1895 Mitglied der Berliner Akademie der Künste.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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