Vendôme

Vendôme

Vendôme (spr. wangdōm'), alte franz. Grafschaft, die von der gleichnamigen Stadt (s. oben) ihren Namen hatte und 1515, von Franz I. zugunsten Karls von Bourbon (gest. 1538) zum Pairieherzogtum erhoben wurde. Vgl. Pétigny, Histoire archéologique du Vendômois (2. Aufl., Vendôme 1882); Rochambeau, Le Vendômois. Épigraphie et iconographie (das. 1889–94, 2 Bde.); Martellière, Glossaire du Vendômois (Orleans 1893). Nachdem Karls Enkel Heinrich IV. den Thron Frankreichs bestiegen, gab er das Herzogtum 1595 dem ältesten der ihm von Gabrielle d'Estrées gebornen Söhne, César, Herzog von V., Stifter des Hauses V. Dieser, geb. im Juni 1594 auf Schloß Coucy, gest. 22. Okt. 1665, beteiligte sich fortgesetzt an Verschwörungen und Unruhen, so daß er nach Holland verwiesen wurde, von wo er erst nach Richelieus Tode nach Frankreich zurückkehrte. Nach Ludwigs XIII. Tode gelangte er bei der Regentin Anna von Österreich zu bedeutendem Ansehen und erhielt das Gouvernement Burgund und den Titel eines Generalintendanten der Schiffahrt und des Handels. Er nahm 1653 den Frondeurs Bordeaux und schlug als Großadmiral von Frankreich 1655 die spanische Flotte vor Barcelona. Sein älterer Sohn, Louis, Herzog von V., geb. 1612, gest. 6. Aug. 1669, hieß bei Lebzeiten seines Vaters Herzog von Mercoeur, diente in den Kriegen Ludwigs XIII. und ward 1649 zum Vizekönig des eroberten Katalonien ernannt. 1651 vermählte er sich mit Laura Mancini, einer Nichte Mazarins, nach deren Tode (1657) er in den geistlichen Stand trat. Er erhielt 1667 den Kardinalshut. Sein ältester Sohn und Nachfolger in der Herzogswürde war Louis Joseph, geb. 1. Juli 1654, gest. 11. Juni 1712; er machte die Feldzüge unter Turenne mit. 1688 zum Generalleutnant befördert, focht er in allen Feldzügen und ward 1695 Oberbefehlshaber der französischen Armee in Katalonien, wo er 10. Aug. 1697 Barcelona eroberte. Beim Ausbruch des Spanischen Erbfolgekriegs übernahm er 1702 an Villerois Stelle das Kommando in Italien, lieferte dem Prinzen Eugen bei Luzzara 15. Aug. ein unentschiedenes Treffen, drang im August 1703 in Tirol ein, ward jedoch zum Rückzug in die Lombardei genötigt. Nun bekriegte er 1704 die vereinigten Savoyer und Österreicher in Piemont. Am 16. Ang. 1705 lieferte er dem Prinzen Eugen die unentschiedene Schlacht bei Cassano und schlug 19. April 1706 die Kaiserlichen bei Calcinato. Nach den Niederlanden gerufen, eroberte er zwar 1708 Gent, Brügge und Plassendal, ward aber bei Oudenaarde 11. Juli geschlagen und verlor hierauf sein Kommando. 1710 führte er den bedrängten König Philipp V. 3. Dez. nach Madrid zurück und schlug bei Brihuega (9. Dez.) und bei Villaviciosa (10. Dez.) die Alliierten entscheidend, starb aber zu Vinaroz in Valencia und ward im Pantheon des Escorial beigesetzt. – Sein jüngerer Bruder, Philippe de V., Großprior des Malteserordens in Frankreich, geb. 23. Aug. 1655, gest. 24. Jan. 1727, focht mit Auszeichnung in den Kriegen Ludwigs XIV. in den Niederlanden und am Rhein sowie seit 1693 als Generalleutnant in Italien und Spanien. Im Spanischen Erbfolgekrieg diente er meist in Italien. Wegen seiner bei Cassano (16. Aug. 1705) bewiesenen Fahrlässigkeit abgesetzt, lebte er fortan in Rom und seit 1711 im Temple zu Paris. Er war der letzte seines Geschlechts. – Jetzt führt ein Sohn des »Grafen von Paris« den Titel Herzog von V.; ihm gebar seine Gattin Henriette von Belgien 4. April 1905 den Karl Philipp von Orléans, ältesten Urenkel König Ludwig Philipps.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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