Ali

Ali

Ali, 1) A. ibn Abi Tâlib, der Neffe und Adoptivsohn und einer der ältesten und treuesten Anhänger des Propheten Mohammed und durch seine Gattin Fâtima (s. d.) sein Eidam, geboren um 600 n. Chr. zu Mekka, ward nach der Ermordung Othmâns 656 zum Kalifen gewählt, fand aber nur in einem Teile des Reiches Anerkennung. Aïscha (s. d.), die mit A. verfeindete, intrigante und rachsüchtige Witwe Mohammeds, erhob sich mit mehreren Großen im Bunde gegen A., ward aber von diesem 656 in der »Kamelschlacht« bei Basra geschlagen und gefangen genommen. Auch der Omaijade Moâwija (s. d. und Kalifen), seit 639 Statthalter von Syrien, verweigerte A. den Gehorsam. Es entbrannte ein erbitterter, blutiger Krieg, dessen Ausgang noch ungewiß war, als A. 22. Jan. 661 von drei charidschitischen (puritanischen) Sektierern überfallen und tödlich verwundet ward und 24. Jan. starb. A. ragte durch Tapferkeit und Frömmigkeit hervor und besaß Beredsamkeit und Geist, entbehrte aber der politischen Einsicht und der Raschheit des Handelns. Seine Anhänger betrachteten ihn, den Schwiegersohn des Propheten, als dessen allein berechtigten Nachfolger; ihre Partei, die Schiiten (s. d.), die »Legitimisten des Islam«, wurde jahrhundertelang nicht müde, für seine Nachkommen, die Aliden, das Kalifat in Anspruch zu nehmen. Besonders auf persischem Boden nahm die Verehrung des A. einen schwärmerischen Charakter an, so daß er stellenweise geradezu vergöttert wurde und selbst die Gestalt Mohammeds verdunkelte. Sein Grab in Kufa ist die Hauptwallfahrtsstätte der Schiiten. Nachkommen Alis (»Scherîfe«, d.h. Edle) regieren bis heute in Südarabien und Mekka (unter osmanischer Oberhoheit), in Oman und in Marokko. Die Fatimiden (s. d.) leiteten unrechtmäßigerweise ihren Ursprung von A. her. Die unter seinem Namen laufenden Sprüche (hrsg. und übersetzt von Fleischer, Leipz. 1837, u.a.) und Gedichte (gedruckt Bulak 1835 u. ö.) sind nicht authentisch.

2) A. Bei, Sultan von Ägypten, geboren um 1728 in Abchasien, gestorben im April 1773, als Knabe von Sklavenhändlern an den ägyptischen Mameluckenhäuptling Ibrahim Kiaya verkauft, schwang sich, von diesem 1748 freigelassen, zum Mameluckenbei auf und wurde nach Ibrahims Tod (1757) dessen Nachfolger. Verdrängt, errang er 1766 die Herrschaft wieder und zugleich die Unabhängigkeit von der Pforte als Sultan von Ägypten. Er eroberte Mekka und mit dem ebenfalls gegen die Pforte rebellierenden Scheich Daher 1771 fast ganz Syrien. Schon war er Herr von Damaskus, als sein von der Pforte bestochener Adoptivsohn Mohammed Bei nach Ägypten zurückging und A. zur Flucht nach Syrien nötigte. Hier von Scheich Daher unterstützt, siegte A. 1772 über die Türken, eroberte Tripolis, Antiochia, Jerusalem und Jaffa und rückte 1773 mit 30,000 Mann gegen Ägypten vor; aber in der Schlacht von Salahie bei Gaza wurde er von seinem Schwiegersohn Abu Dahab gefangen und starb bald darauf an seinen Wunden.

3) Pascha von Janina, geboren wahrscheinlich 1741 zu Tepeleni in Albanien aus der zum Stamme der Tosken gehörigen Familie der Hissas, gest. 5. Febr. 1822. Nach dem Tode seines Vaters Wali Bei, Herrn von Tepeleni (1754), von seiner Mutter Chamko im Kampf um das bestrittene Erbe zu einem rücksichtslosen Krieger erzogen, übernahm er 1766, seine Mutter zum Rücktritt bewegend (daß er sie später vergiftet habe, ist nicht erwiesen), selbständig die Herrschaft. Für die im Kriege gegen Rußland und Österreich geleisteten Dienste wurde A. 1787 von Abd ul Hamid I. zum Pascha von Trikkala in Thessalien ernannt. 1783 bemächtigte er sich der Stadt und des Gebiets von Janina, 1789 auch eines großen Teils von Arta. A. herrschte grausam, aber kräftig, unterdrückte die blutigen Fehden unter den Albanesen und behandelte. religiös duldsam, die Christen mild. Nach der Unterwerfung der Sulioten (1803) ließ er sich von der Pforte zum Oberstatthalter von Rumelien erheben. Er beherrschte Albanien, Epirus, Thessalien und das südliche Makedonien seit 1807 unabhängig von dei Pforte, die er jährlich durch einen bestimmten Tribut befriedigte. England, Frankreich und Rußland hatten ihre Generalkonsuln an seinem Hof, einem befestigten Palaste bei Janina. Sein Heer schätzte man in der Blüte seiner Macht (1815–20) auf 100,000 Mann in zahlreichen Kastellen. Sultan Mahmud ächtete ihn im Juli 1820 und schickte Ismail Pacho Bei mit 5000 Mann gegen ihn. Da die albanesischen Führer, die durch Geschenke an sich zu fesseln sein wachsender Geiz (in seinem Palaste fand man 10 Mill. Gulden in barem) ihn hinderte, zum großen Teil von ihm abfielen, wurde A. in Janina eingeschlossen und mußte vor Churschid Pascha, Ismails Nachfolger, aus Mangel an Lebensmitteln 10. Jan. 1822 kapitulieren. Durch Churschid in ein Landhaus im See von Janina gelockt, ward er 5. Febr. ermordet. Vgl. Davenport u. Hunt, Historical portraiture of leading events in the life of A. (Lond. 1823); Zinkeisen, Geschichte des osmanischen Reiches, Bd. 7.

4) Mehemed Emin A. (Aali) Pascha, türk. Staatsmann, geb. 1815 als Sohn eines Beamten in Konstantinopel, gest. 6. Sept. 1871 zu Erenkeni in Kleinasien. Auf Empfehlung Reschid Paschas 1830 im Übersetzungsbureau des Auswärtigen Amtes angestellt, wurde er 1835 zweiter Gesandtschaftssekretär in Wien, 1838 Gesandtschaftsrat und war, nach einem kurzen Aufenthalt als Unterstaatssekretär in Konstantinopel, 1840–44 Gesandter in London. Unter Reschid Paschas Großwesirat war A. Minister des Auswärtigen 1846–52. Dann eine kurze Zeit selbst Großwesir, fiel er schon im Oktober 1852 in Ungnade und ward Statthalter in Smyrna, dann in Brussa. Während des Krimkrieges im Oktober 1854 zurückberufen, erhielt er auch diesmal unter Reschid Pascha als Großwesir die Leitung der auswärtigen Politik und nahm seit März 1855 zu Wien an den Verhandlungen über die vier Garantiepunkte teil. Seit Juli 1855 zum zweitenmal Großwesir, präsidierte A. der Diplomatenkommission, aus deren Verhandlungen der am 21. Febr. verkündete Hattihumajun vom 18. Febr. 1856 hervorging, ein Kompromiß zwischen dem Drängen des mit den türkischen Verhältnissen nicht vertrauten Europäertums und dem auf die Erhaltung des mohammedanischen Staatswesens gerichteten Türkentum. Da selbst dem aufgeklärten A. der in dem Hatt ausgesprochene Grundsatz der Gleichberechtigung aller Untertanen ohne Rücksicht auf die Religion widersinnig erscheinen mußte, blieben die widerstrebend gewährten Konzessionen auf dem Papier. Auch bei den Verhandlungen des Pariser Friedens vertrat A. mit Mehemed Djemil Bei entschieden und gewandt die türkischen Interessen; doch die Festsetzungen über die Donaufürstentümer etc. bereiteten der Pforte Schwierigkeiten und veranlaßten 1. Nov. 1856 Alis Rücktritt. Indes blieb er Mitglied des Großen Rates und Minister ohne Portefeuille; auch ward er nach dem Tode Reschid Paschas im Januar 1858 zum drittenmal, freilich nur für kurze Zeit, Großwesir. Interimistisch hatte er das Großwesiramt und zum viertenmal wirklich vom August bis November 1861 inne, worauf er wieder das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten übernahm. Mit dem Großwesir Fuad Pascha fuhr er in dem Streben nach ausführbaren Reformen fort: Fuads schon im September 1865 gemachter Vorschlag, durch Einziehung der Moscheegüter (Wakuf) der Finanznot des Staates abzuhelfen, wurde 1868 wenigstens teilweise ausgeführt, nachdem A. im Februar 1867 zum fünftenmal Großwesir, Fuad Pascha Minister des Auswärtigen geworden war. Während des Sultans Reise zur Pariser Ausstellung (im Sommer 1867) führte A. die Regentschaft und war auch weiterhin die Seele der von der Pforte betriebenen Reformtätigkeit; den erneuten Unabhängigkeitsgelüsten Ägyptens trat er 1869 erfolgreich entgegen.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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