Egloffstein

Egloffstein

Egloffstein, gräfliches und freiherrliches, bis 1805 reichsunmittelbares Geschlecht, ist genannt nach dem bei Forchheim in Bayern gelegenen gleichnamigen Dorf und Schloß, dessen frühestes nachweisbares Glied Otto, 1060–89 Bischof von Regensburg, ist. Seit Heinrich I., 1179 und 1184 genannt, ist der Stammbaum ununterbrochen in direkter Linie zu verfolgen. Seit 1557 besteht ein Geschlechtsfideikommiß mit dem Mittelpunkt Kunreuth bei Forchheim. Das Geschlecht teilte sich mehrfach, aber nach 1682 bestand allein noch die Bärnfelser Hauptlinie, die gegenwärtig in der preußischen, seit 1786 gräflichen, und in der fränkischen Linie blüht. Letztere hat sich um 1700 in die ältere fränkische (Gunzendorfer) und die jüngere fränkische gespaltet, und diese wieder 1741 in einen ältern Zweig (Majoratslinie) und einen jüngern Zweig (Schloßlinie), so daß heute eine gräfliche und drei freiherrliche (Gunzendorfer, Majorats- und Schloßlinie) Linien unterschieden werden. Vgl. Maximilian Freiherr von E., Geschichte des gräflichen und freiherrlichen Hauses von E. (als Manuskript gedruckt, Nürnb. 1863); Gustav Freiherr von und zu E., Chronik der vormaligen Reichsherrn, jetzt Grafen und Freiherrn von und zu E. (als Manuskript gedruckt, Aschaffenb. 1894). Bemerkenswert sind:

1) Johann von E., Fürstbischof von Würzburg 1400–1411, war Dompropst daselbst und zugleich Domherr in Bamberg und Regensburg, auch Koadjutor des Bischofs von Bamberg, als er von der Hälfte des Kapitels zum Würzburger Bischof gewählt wurde, fand gegenüber seinem Rivalen, einem Grafen von Wertheim, Unterstützung bei König Ruprecht, übernahm das Stift zerrüttet, trug aber alte Schulden ab. Obwohl er den Adel befehdete, sich um die Wohlfahrt des Landes bemühte und das Stiftsgebiet vergrößerte, so vereitelten doch Kapitel und Stände, sich gegen jede Besteuerung sträubend, sein Streben. E. ist der Gründer der von seinem Vorgänger geplanten Universität zu Würzburg, die am 10. Dez. 1410 die Bestätigung des Papstes Bonifatius IX. erhielt. König Ruprecht ersah ihn zu einer Gesandtschaft an Kaiser Emanuel nach Konstantinopel aus, aber des Königs schneller Tod (1410) vereitelte den Plan. E. starb 11. Dez. 1411 zu Forchheim, wie man sagte an Gift. Vgl. Looshorn, Geschichte des Bistums Bamberg, Bd. 4 (Bamb. 1900).

2) August Karl, Freiherr von und zu E., großherzoglich sächs. Wirklicher Geheimer Rat und Generalmajor, geb. 15. Febr. 1771 zu Schloß E., gest. 15. Sept. 1834 in Kissingen, kämpfte 1793 und 1794 im preußischen Heer in Polen und trat 1795 m den Dienst Karl Augusts von Weimar, wurde 1805 Major, nahm an der Schlacht bei Jena teil und focht, seit 1807 Oberst und Brigadekommandeur, als Führer des weimarischen Rheinbundkontingents 1807 vor Kolberg, 1809 in Tirol, 1810 in Spanien und im Winter 1812 in Rußland. Im Januar 1813 ward E. Kommandant aller Rheinbundtruppen in Danzig, kämpfte 1814 und 1815, nunmehr Generalmajor geworden, gegen Napoleon und wirkte 1818 tätig mit bei der Neuorganisation des weimarischen Militärs.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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