Ephĕsos

Ephĕsos

Ephĕsos, im Altertum eine der ionischen Zwölfstädte in Kleinasien und Mittelpunkt des vorderasiatischen Handels, lag in der überaus fruchtbaren Ebene des Kaystros (s. Plan), unweit dessen Mündung, zuerst beim heutigen Dorf Ajasoluk, wurde dann zwischen 287 und 281 v. Chr. durch König Lysimachos südwestlicher, beim Hafen, neugebaut, hatte eine Burg auf dem Berge Koressos und war besonders berühmt durch den nordöstlich von der Stadt bei Ajasoluk gelegenen Tempel der ephesischen Artemis (Artemesion), dessen Bau an Stelle des alten Kybeletempels von Chersiphron und Metagenes begonnen und um 370 durch Demetrios und Päonios von E. vollendet ward. Der Tempel war ein Dipteros von kolossalen Dimensionen; seine Länge betrug 133 m, die Breite 69 m; 128 Säulen ionischer Ordnung, jede 19 m hoch, stützten ihn; die einzelnen Architravbalken hatten eine Länge von über 9 m. Nachdem er 356 durch Herostratos in Brand gesteckt worden war, wurde er prächtiger als zuvor unter des Deinokrates Leitung wieder aufgebaut. Nero beraubte ihn seiner reichen Schätze, und die Goten brannten ihn 262 n. Chr. von neuem nieder. – Schon in sehr alten Zeiten war E. ein heiliger Ort mit einem Tempel; die im 11. Jahrh. v. Chr. hier einwandernden Ionier, durch welche die Stadt eigentlich erst entstand, fanden den Kultus der Artemis (einer asiatischen Naturgöttin) bereits vor. Es war nie einseitig Seestadt, sondern hatte bedeutenden Landbesitz im Kaystrostal und betrieb großartige Bankgeschäfte mit den lydischen und andern kleinasiatischen Fürsten. Dazu kam ihr heiliger Charakter, der mit Hierodulie verbundene Dienst der Artemis, der in ganz Kleinasien in Ansehen stand, großen Völkerverkehr und reiche Bildung zur Folge hatte. Der Philosoph Herakleitos, der Dichter Hipponax stammten aus E., das um 400 v. Chr. der Sitz der berühmten Malerschule des Zeuxis und Parrhasios war. Um 560 eroberte Krösos die bis dahin selbständige Stadt; 546 kam sie unter persische Herrschaft, von der sie 479 befreit, aber 387 wieder unterworfen wurde, bis Alexanders d. Gr. Sieg am Granikos ihr die Unabhängigkeit zurückgab. In den nach Alexanders Tod zwischen dessen Feldherren sich entspinnenden Kämpfen wurde E. erst von Lysimachos, der die Stadt verschönerte und befestigte, darauf von Antigonos erobert und blieb dann beim syrischen Reich bis zur Unterjochung Kleinasiens durch die Römer. Unter römischer Herrschaft war es die Hauptstadt eines der neun Gerichtssprengel (conventus Ephesinus) der Provinz Asia; Mark Anton hat 42 v. Chr. hier residiert. In der Geschichte der Apostel, namentlich des Paulus und des Johannes, kommt E., das damals eine besonders große Christengemeinde zählte, öfters vor. Bei der Teilung des römischen Reiches (395 n. Chr.) der östlichen Hälfte zugeteilt, geriet es schnell in Verfall. In E. wurde 431 das dritte ökumenische Konzil zur Beilegung der nestorianischen und 449 zur Bei legung der eutychianischen Streitigkeiten die sogen. Räubersynode abgehalten. 1391 fiel E. an das osmanische Reich. Der Metropolit von E. ist unter dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel stets der dritte Würdenträger. Seit 1863 leitete der Engländer Wood Ausgrabungen auf dem alten Stadtgebiet, die innerhalb der eigentlichen Stadt zur Auffindung eines Stadions, Theaters, Odeons, des Hafens, mehrerer Gymnasien und 1870 zu der des Artemision führten. Mehrere charakteristische Bruchstücke der kolossalen Reliefsäulen (von 1,9 m Durchmesser) wurden 1873 nach dem Britischen Museum geschafft. Seit 1895 macht das österreichische archäologische Institut unter Benndorf und Heberdey Ausgrabungen, zunächst in der Stadt des Lysimachos, wo die Agora der frühern Kaiserzeit, das Theater am Panajir Dagh, Wasserleitungen, Hallen mit zwei Toren etc. aufgedeckt wurden. Vgl. Curtius, Ephesos (Berl. 1874); Zimmermann, E. im ersten christlichen Jahrhundert (Jena 1874); Wood, Discoveries at Ephesus (Lond. 1877); Fergusson, The temple of Diana at Ephesus (das. 1883).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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