Nymphaea

Nymphaea

Nymphaea L. (Seerose, Nixenblume, Mummel), Gattung der Nymphäazeen, Wassergewächse mit fleischigem Wurzelstock, langgestielten, großen, schwimmenden, rundlichen, am Grunde zweilappigen oder nierenfömigen Blättern, großen, mit langen, grundständigen Stielen über den Spiegel des Wassers sich erhebenden Blüten, zahlreichen Blumenblättern und fleischiger, nicht aufspringender, vielsamiger Frucht. Etwa 32 Arten in den Tropen, in der gemäßigten und arktischen Zone der Alten und Neuen Welt, auch in Australien, Neuguinea. N. alba L. (weiße Seerose, Wasserlilie, Wasserrose, Schwanenblume), in Europa in stehenden oder langsam fließenden Gewässern, hat fast kreisrunde, tief herzförmige, ganzrandige Blätter und weiße Blüten mit gelben Staubgefäßen. Der stärkemehlreiche und gerbstoffhaltige Wurzelstock ist genießbar, auch als Gerbmaterial brauchbar und wurde früher wie auch die Blüten und Samen medizinisch und als Aphrodisiakum benutzt. Die weiße Seerose ist Nationalblume der Friesen. N. lotus L. (ägyptischer Lotos, s. Tafel »Wasserpflanzen«), mit tief herzförmigen, spitz gezahnten Blättern und weißen Blüten, wächst in Flüssen und Gräben Ägyptens, in den warmen Quellen bei Großwardein und Ofen (N. thermalis DC.). Die Pflanze erscheint und verschwindet mit dem Steigen und Fallen des Nils, indem die große fleischige Wurzel im Boden bis zur nächsten Überschwemmung ausdauert. In der Urzeit wurde das knollige Rhizom gegessen, und aus den Samen, die auch heute noch gegessen werden, bereitete man Brot. N. coerulea Savign. (blaue Seerose, blauer Lotos), mit blauen Blüten und eßbaren Samen, in Ägypten, findet sich, wie die vorige, auf Denkmälern abgebildet. Beide Arten wurden in Ägypten auch als Schmuck getragen; die Blätter dienten zu Totenkränzen. N. stellata W. (Sternlotus, Padmas, Patmapflanze), blau, rosig und weiß blühend, in Ostindien, Südostasien und Neuholland. Die Seerosen erfuhren bei den alten Völkern einen lebhaften Kultus, der sich auf die Vorstellung einer Schöpfung aus dem Wasser und auf die befruchtende Wirkung des Wassers für das Land bezog. Es kam dazu die sogen. Sympathie mit den großen Himmelsleuchten, sofern einzelne Seerosen des Morgens mit der Sonne aus der Flut emportauchen und des Abends mit ihr untersinken, andre mit einbrechender Nacht dem Mond ihren Kelch erschließen. Ägyptische, assyrische und indische Tempelwände und Kultgeräte sind mit Lotosbildern bedeckt, die in direkte Beziehung zur Göttergeschichte treten, sofern Brahma dargestellt wird, wie er vor der Schöpfung auf einem schwimmenden Banyanen- oder Lotosblatte ruht, während aus seinem Nabel eine Lotosblume hervortritt, auf der Wischnu sitzt. In beiden alten Ländern wurden an den Tempeln heilige Teiche angelegt, in denen die Nymphäen gezogen wurden. In Indien war es vorzugsweise der tagblühende Sternlotos, in dessen Kelche man auch Joni und Lingam, die Symbole der Schöpfung, darstellte, während in Ägypten die nachtblühendeN. lotus als die Pflanze gefeiert wurde, die den Osiris verbarg, und auf deren Kelch er ruhend dargestellt ward. Auch die nordischen Arten waren in Deutschland und Skandinavien Gegenstand der Verehrung. Später gehörte die Seerose oder Nixblume zu den Zauberpflanzen. Mehrere Arten werden bei uns in Warmhäusern als Zierpflanzen kultiviert. Vgl. Pfyffer v. Altishofen u. Obrist, Die einheimischen und tropischen Seerosen und ihre Kultur (Münch. 1896).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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