Wallace

Wallace

Wallace (spr. ŭólles), 1) Sir William, schott. Freiheitsheld, war der Sohn des Ritters Sir Malcolm W. von Elderslie, unfern vom Clyde. Über seine Jugend berichten nur spätere Sagen; geschichtlich tritt er erst hervor, nachdem Eduard I. von England 1296 den König John Baliol (s. d.) von Schottland entthront hatte und nun die Herrschaft über das Reich selbst auszuüben versuchte. W. trat 1297 an die Spitze der nationalen Erhebung gegen die Engländer, schlug ein Heer Eduards 11. Sept. in der Nähe von Stirling am Forth, nahm Dundee und Edinburg und ließ sich zum Verweser des Reiches erwählen; im Oktober fiel er sogar in das nördliche England ein und kehrte mit ansehnlicher Beute zurück. Als aber König Eduard selbst mit einem starken Heer in Schottland eindrang, wurde W., der als der Sohn eines einfachen Edelmannes von den schottischen Großen keine ausreichende Unterstützung erhielt, 22. Juli 1298 bei Falkirk trotz tapferer Gegenwehr völlig besiegt. Er floh nun nach Frankreich, kehrte aber nach einigen Jahren nach Schottland zurück und beteiligte sich aufs neue an dem Kampfe gegen England. Von dem Vergleich, den die Großen 1304 mit Eduard schlossen, wurde W. ausgeschlossen; er wurde geächtet und im Sommer 1305 in Glasgow gefangen genommen. Als Hochverräter zum Tode verurteilt, wurde er 23. Aug. 1305 auf Tower Hill martervoll hingerichtet. Sein Ruhm lebte in den Liedern seines Volkes fort; eins der berühmtesten dieser Lieder, das des Barden Blind Harry aus der Mitte des 16. Jahrh., erschien 1790 in Perth. Vgl. Watson, W., the Scottish hero (Lond. 1861); Paterson, The hero of Scotland (neue Ausg. 1864); Murison, Sir William W. (Lond. 1898).

2) Alfred Russell, Naturforscher, geb. 8. Jan. 1822 zu Ush in Monmouthshire, bildete sich zum Landvermesser und Ingenieur, ward 1844 Schullehrer in Leicester und 1846 in Wales, ging 1848 mit Bates nach Para, durchforschte das Gebiet des Amazonas und des Rio Negro und kehrte 1852 nach England zurück, verlor aber unterwegs seine Sammlungen und Manuskripte. 1854 ging W. nach dem Malaiischen Archipel, durchforschte ihn acht Jahre lang von Malakka bis Neuguinea und kehrte mit einer Sammlung von mehr als 125,000 naturwissenschaftlichen Gegenständen nach London zurück. W. zeigte, daß der Malaiische Archipel in geologischer, botanischer und zoologischer Hinsicht in zwei äußerst scharf voneinander getrennte Hälften, in einen asiatischen und australischen Teil, zerfällt, legte die ethnologischen Verhältnisse der Inselwelt klar, sammelte Vokabularien von 75 Dialekten und machte zahlreiche Schädelmessungen. Nicht minder reich waren die zoologischen Ergebnisse (Paradiesvögel, Orang-Utan), besonders aber führten ihn seine Beobachtungen auf Untersuchungen über die Entstehung der Arten, und schon 1855 verfaßte er auf Borneo eine Arbeit, die mit diesem Thema sich beschäftigt. 1858 entwickelte er seine Ideen über die Naturzüchtung und sandte die Arbeit (»Über die Tendenz der Varietäten, unbegrenzt von dem Originaltypus abzuweichen«) an Lyell zur Veröffentlichung. Sie gab Darwin den Anstoß zur Veröffentlichung seiner Theorie, deren ersten Entwurf er bereits 1844 niedergeschrieben hatte. W. weicht in mancher Hinsicht nicht unerheblich von Darwin ab, aber er ist einer der genialsten Mitbegründer der Selektionstheorie und hat sie durch zahlreiche Untersuchungen wesentlich gefördert. Später wandte er sich auch der geographischen Verbreitung der Tiere zu und suchte die Tatsachen durch Gesetze der physischen und organischen Veränderung zu erklären. Er schrieb: »Travels on the Amazon and Rio Negro« (Lond. 1853, 4. Aufl. 1900); »Palm trees of the Amazon« (das. 1853); »Malay Archipelago« (1869, 2 Bde.; 10. Aufl. 1891; deutsch, Braunschw. 1869); »Contributions to the theory of the natural selection« (1871, 3. Aufl. 1891; deutsch, Erlang. 1870); »Geographical distributions of animals« (1876, 2 Bde.; deutsch von A. B. Meyer, Dresd. 1876); »Tropical nature, and other essays« (1878; deutsch, Braunschw. 1879); »Australasia« (1879 u. ö., in Stanfords Kompendien), neu bearbeitet (mit Guillemard) in 2 Bänden, davon Bd. 1: »Australia and New Zealand« von W. (1893); »Island life« (1880, 2. Aufl. 1892); »Darwinism, an exposition of the theory of natural selection« (1889, 3. Aufl. 1902; deutsch, Braunschw. 1891); »The wonderful century, its successes and its failures« (1898, 5. Aufl. 1903); »Studies, scientific and social« (1900, 2 Bde.); »Man's place in the Universe« (1903, 4. Aufl. 1904; deutsch, 3. Aufl., Berl. 1904) und seine Autobiographie: »My life, a record of events and opinions« (1905, 2 Bde.). Mit Crookes und einigen andern englischen Naturforschern ist W. in mehreren Schriften (»Miracles and modern spiritualism«, 1876, 3. Aufl. 1896) auch für den Spiritismus eingetreten. In dem Werke »Land nationalization, its necessity and its aims« (1882, zuletzt 1902) empfahl er eine Umgestaltung der grundbesitzlichen Verhältnisse durch Staatshilfe, für welche Idee die neugegründete Land Nationalization Society, deren Präsident W. ist, eintrat. Vgl. A. B. Meyer, Charles Darwin und Alfred Russell W. (Erlangen 1870).

3) Lewis, amerikan. Schriftsteller, geb. 10. April 1827 in Brookville (Indiana), gest. im Februar 1905 in Crawfordsville (Indiana), war Advokat, machte den Bürgerkrieg mit, wurde Generalmajor und war später Gouverneur von Utah und Gesandter in Konstantinopel, kehrte aber dann zu seiner Rechtspraxis in Crawfordsville zurück. Sein Erstlingswerk aus der Aztekensage: »The fair God« (1873), erregte wenig Aufmerksamkeit, aber sein historischer Roman »Ben Hur, a tale of the Christ« (1880) hatte einen ungeheuern Erfolg, wurde vielfach übersetzt (deutsch von Hammer, 18. Aufl., Stuttg. 1907, 2 Bde.; Volksausgabe in einem Band, 117. Aufl.) und auch dramatisiert. Er schrieb außerdem noch: »Life of Benjamin Harrison« (1888), »Boyhood of Christ« (1888; deutsch, Berl. 1894) und »The prince of India« (1894; deutsch, 2. Aufl., Freiburg 1901, 2 Bde.). Seine Autobiographie erschien New York 1906.

4) Sir Donald Mackenzie, engl. Schriftsteller, geb. 11. Nov. 1841 zu Paisley in Schottland, studierte in Edinburg, Paris, Berlin und Heidelberg die Rechte und erlangte an der letztern Universität den Doktorgrad. 1870 ging er nach Rußland und widmete sich, abwechselnd in St. Petersburg, in Moskau, in Jaroslaw lebend, nahezu sechs Jahre hindurch dem Studium der sozialen und politischen Verhältnisse Rußlands, dessen Ergebnisse er in seinem wertvollen Werk »Russia« (Lond. 1877, 2 Bde.; 5. neubearb. Aufl. 1905, 2 Bde.; deutsch in 4. Aufl. von Purlitz, Würzb. 1906, 2 Bde.) niederlegte. W. ward hierauf Korrespondent der »Times« in Petersburg, dann in Konstantinopel und war 1884–88 Privatsekretär des Vizekönigs von Indien, Lords Dufferin. 1890 begleitete er im Auftrag der englischen Regierung den russischen Thronfolger auf seiner Reise durch Indien. Nach seiner Rückkehr wurde er Direktor der auswärtigen Abteilung der Londoner »Times«. Er schrieb noch: »Egypt and the Egyptian question« (1883) und »Overland from India« (im »English Illustr. Magazine«, 1889); »The web of Empire. Diary of the imperial tour of their R. H. the duke and duchess of Cornwall and York« (1902). 1887 erhielt er die Ritterwürde.


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