Peloponnēs

Peloponnēs

Peloponnēs (griech. die Peloponnesos), im Altertum Name der südlichen, später Morea (s. d.) genannten Halbinsel Griechenlands, die durch den Korinthischen Isthmus mit dem Festland zusammenhängt und die Landschaften Arkadien, Achaia, Elis, Messenien, Lakonien, Argolis mit Phliasia, Sikyonia und Korinthia umfaßte. Die in alter Zeit stark bewaldeten Gebirge gaben dem Land einen rauhen, unwegsamen Charakter, und bei der geringen Anzahl ausgedehnterer Ebenen, wie der von Argos, Sparta, Messenien und der im nördlichen Elis, waren die Bewohner mehr auf Viehzucht als auf Ackerbau und nächstdem auf Schiffahrt und Handel angewiesen, obwohl darin nur die Korinther Erhebliches leisteten. Auch heute noch leben die Bewohner fast ausschließlich von Ackerbau und Viehzucht; nur Paträ (s. d.) treibt bedeutenden Handel. Sehr rege ist der Verkehr zur See, gering der zu Lande. Große Städte fehlen fast ganz. Die bedeutendern sind außer Paträ: Korinth, Pyrgos, Kalamata, Nauplia, Argos und Tripolis. Die wichtigsten Produkte sind: Oliven, rohe Seide, Baumwolle, Reis, Feigen und andre Südfrüchte, Honig, Wein und vor allem Korinthen, von denen der P. über vier Fünftel der Gesamtproduktion erzeugt; außerdem werden Bienenzucht und im Gebirge Viehzucht, Industrie fast gar nicht betrieben. Der P. ist der ertragfähigste und ertragreichste Teil Griechenlands, und zwar ist der Westen fruchtbarer als der Osten, weil dort der Kalkstein mit fruchtbarem Flyschsandstein und Schiefer durchsetzt ist. Seit 1885 hat der P. mehrere Eisenbahnen erhalten, vornehmlich die Linien Korinth-Paträ-Pyrgos an der Nord- und Westküste mit mehreren Abzweigungen und als binnenländische Querbahn die Linie Korinth-Argos-Tripolis-Kalamata mit Abzweigungen nach Nauplia und Kyparissia. Die Halbinsel zählte auf 22,201 qkm (403 QM.) 1896: 902,181 Einw. (41 auf 1 qkm) und zerfällt in die neun Nomen Achaia, Elis, Argolis, Korinthia, Arkadien, Lakonien, Messenien, Lakedämon und Triphylia. S. Karte »Griechenland«.

Über die ältesten Bewohner des P. (so genannt seit dem 7. Jahrh. von Pelops) geben die gewaltigen Bauten besonders in Mykenä und Tiryns Kunde. Sie waren indogermanischen Ursprungs, drangen in vorhomerischer Zeit aus Kleinasien von N. her in den P. ein und wurden, selbst vom Orient stark beeinflußt, neben den Bewohnern von Orchomenos Träger einer bestimmt ausgeprägten Kultur, die sich über einen großen Teil des Ägäischen Meeres ausbreitete. Die spätern Griechen nannten die Ureinwohner des P. Pelasger (s. d.) und hatten auch von ihrem Verkehr mit dem Orient noch eine dunkle Erinnerung, indem sie in ihrer Sage Danaos aus Ägypten und Pelops, den Stammvater der Atriden, aus Kleinasien einwandern ließen. Der Sitz der Herrschaft über Argos und den P. war Mykenä. Eine völlige Umwälzung brachte die dorische Einwanderung unter Anführung der Herakliden, angeblich 1104 v. Chr., hervor. Die Dorier überwältigten die frühern Bewohner, die später unter dem Namen der Achäer zusammengefaßt wurden, mit Ausnahme der ihre Selbständigkeit behauptenden Arkadier, und stifteten drei Reiche: Argos als der alte Stammsitz fiel dem ältesten Sohn des Königs Aristomachos, Temenos, Messenien dem Kresphontes, Lakonien den unmündigen Söhnen des Aristodemos, Eurysthenes und Prokles, zu. Auch über Korinth, Sikyon und Phlius breiteten sich die Dorier aus. Von den »Achäern blieb in diesen nunmehr dorischen Staaten ein Teil als zinspflichtige Periöken unter der Herrschaft der Einwanderer zurück, ein andrer warf sich auf die Ionier im N. des P., verjagte diese und besiedelte das Land unter dem Namen Achaia. In Elis endlich, aus dem die Neliden vertrieben wurden, verschmolz die ursprüngliche Bewohnerschaft mit den unter Oxylos gleichzeitig mit den Doriern eingewanderten Ätoliern. An der Spitze dieser Staaten stand bis zur Schlacht bei Leuktra unbestritten der Militärstaat Sparta mit Messenien, das nach wiederholten hartnäckigen Kämpfen und nach tapferer Gegenwehr völlig in seine Gewalt geraten war. Die übrigen, durch ihre Zersplitterung in viele kleine unabhängige Staaten und Städte und deren eifersüchtige Bestrebungen untereinander gelähmt, bildeten zusammen zwar und mit Sparta vereint, wie im Peloponnesischen Krieg, eine bedeutende Macht, einzeln betrachtet aber waren sie politisch nicht hervorragend, außer Korinth, das neben Sparta wiederholt eine Rolle zu spielen vermochte. Nach der Vernichtung des Achäischen Bundes (146 v. Chr.) wurde der P. zusammen mit dem übrigen Griechenland unter dem Namen Achaia römische Provinz, später als Bestandteil des oströmischen Reiches eine eigne, von Strategen verwaltete Provinz. Nachdem er schon zur Zeit der Völkerwanderung von den Goten und Wandalen verheert worden war, wurde er in der zweiten Hälfte des 8. Jahrh. die Beute einwandernder Slawenhaufen, die sich namentlich am Fuß des Taygetos festsetzten. So ent standen neben den althellenischen Stadtgemeinden slawische Gemeinwesen, die sich unter eigentümlicher Stammverfassung zu besondern Distrikten (Zupanien) vereinigten, nach und nach aber von den byzantinischen Griechen unterworfen und gräzisiert wurden. Nur allmählich begann durch die Verschmelzung der slawischen und hellenisch-romäischen Bevölkerung zu einem Ganzen eine regsame Betriebsamkeit und ein lebendiger Verkehr in den Seestädten Moreas, wie der P. damals genannt wurde, so daß sie den Versuchen der Araber, im P. festen Fuß zu gewinnen, erfolgreichen Widerstand entgegensetzen konnten. Da gegen erschütterten die Bulgarenstürme auch einen Teil des P. (995), und vom Ende des 11. Jahrh. an suchten die Normannen das Land heim. 1205 gründete Wilhelm v. Champlitte mit burgundischen Rittern im westlichen Teil vom P. bis zu dem Fuß des Taygetos hin ein fränkisches Fürstentum, das 1209 auf Gottfried v. Villehardouin überging und in dessen Haus mit einigen Unterbrechungen verblieb, bis es 1346 nach Erlöschen des Mannesstammes bei der Menge auftretender Prätendenten den Osmanen leicht wurde, sich des größten Teiles des P. zu be mächtigen (1460). Nur einige Küstenplätze behauptete Venedig und verstand sich erst, nachdem alle Kykladeninseln der türkischen Herrschaft einverleibt worden waren, im Frieden von 1540 zu ihrer Räumung. Der P. bildete seitdem ein türkisches Sandschak mit der Hauptstadt Tripolizza, das von dem zu Modon residierenden Mora-Bei unter der Jurisdiktion des Beglerbegs von Griechenland verwaltet wurde. Zwar eroberte noch einmal der venezianische Feldherr Morosini den ganzen P., der durch den Frieden von Karlowitz 1699 förmlich an die Republik Venedig fiel, aber schon 1714 wurde die Halbinsel von den Türken wiedererobert, und der Friede von Poscharewatz (21. Juli 1718) bestätigte diese in ihrem Besitz. Von nun an teilte der P. die Geschicke Griechenlands (s. d., S. 312 ff.). Vgl. Curtius, P., historisch-geographische Beschreibung (Gotha 1851–53, 2 Bde.); Buchon, Histoire de la domination française aux XIII., XIV. et XV. siècles dans les provinces de l'empire grec (Par. 1840, 2 Bde.); Fallmerayer, Geschichte der Halbinsel Morea (Stuttg. 1830–36, 2 Bde.); Beulé, Études sur le Peloponnèse (2. Aufl., Par. 1875); A. Philippson, Der P., Versuch einer Landeskunde auf geologischer Grundlage (Berl. 1891); J. Schmidt, Chronicle of Morea (Lond. 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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