Salisches Gesetz

Salisches Gesetz

Salisches Gesetz (Lex Salica), das Volksrecht der salischen Franken (vgl. Frankenreich, S. 829), das uns in mannigfachen Textformen überliefert ist, deren keine jedoch den ursprünglichen Text bietet. Über die Entstehungszeit der Lex Salica wird gestritten; es ist anzunehmen, daß sie die in den ältesten Texten vorliegende Grundform unter Chlodwig und zwar nach der Reichsgründung (486) erhalten hat; beim Zustandekommen des Salischen Gesetzes scheinen ältere Aufzeichnungen benutzt worden zu sein. In den ältern Texten finden sich zahlreiche altfränkische Wörter, zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verderbt, die den Inhalt des lateinischen Textes durch technische Ausdrücke erläutern und ergänzen, wie sie auf der Gerichtsstätte, in mallobergo, gebraucht wurden. Diese Wörter sind, den Satzbau unterbrechend, durch die Sigel mall oder malb (hoc est in mallobergo) eingeführt und werden als die Malbergischen Glossen bezeichnet. Nach der Lex Salica sind die Frauen von der Erbfolge in die liegenden Güter des Erblassers ausgeschlossen, weshalb »loi salique« mitunter als gleichbedeutend mit Vorzug des Mannesstammes genommen wird. Diese Bestimmung wurde später bei der französischen Thronfolge gegen die Prinzessinnen geltend gemacht. Ihre erste Anwendung fand bei den Streitigkeiten statt, die Philipp VI. von Frankreich mit Eduard III. von England um die französische Krone führte, und seitdem hatte die Lex Salica in diesem Sinne fortwährende Geltung. In Spanien, wo die Frauen der Thron folge fähig waren, führte Philipp V. 1714 das Salische Gesetz ein, das aber von Ferdinand VII. 29. März 1830 wieder aufgehoben wurde. Ausgaben von Pardessus (Par. 1843), Waitz (»Das alte Recht der salischen Franken«, Kiel 1846), Merkel (Berl. 1850), Hube (Warsch. 1867), Behrend (2. Aufl., Weim. 1897, mit Anmerkungen), Holder (Leipz. 1879–80,6 Hefte), Hessels (Lond. 1880), H. Geffcken (Leipz. 1898, mit Erläuterungen). Vgl. außer den angeführten Ausgaben: Sohm, Der Prozeß der lex salica (Weim. 1867); Element, Forschungen über das Recht der salischen Franken (hrsg. von Zöpfl, Berl. 1876); Thonissen, L'organisation judiciaire, le droit pénal et la procédure pénale de la loi salique (2. Ausg., Brüssel 1882); Fahlbeck, La royanté et le droit royal francs (Lund 1883); zur Literatur der Glosse: J. Grimms Vorrede zu Merkels Ausgabe; Kern, Die Glossen in der lex salica etc. (Haag 1869) und dessen Noten in Hessels Ausgabe; D'Arbois de Jubainville in »Nouvelle Revue historique de dreit«, S. 333 (Par. 1902).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Salisches Gesetz — (Lex Salica), das alte Volksrecht der Salischen Franken, welches in verschiedenen Redactionen in Lateinischer Sprache, indessen untermischt mit einzelnen altdeutschen, von den spätern Abschreibern aber verunstalteten Wörtern (der Malbergischen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Salisches Gesetz — Salisches Gesetz,   1) Lẹx Salica, das Gesetz der salischen Franken aus dem frühen 6. Jahrhundert, das bekannteste der germanischen Volksrechte. Es war wichtig für die ständische Gliederung und berücksichtigte besonders die Verhältnisse in… …   Universal-Lexikon

  • Salisches Gesetz — (Lex Salĭca), das alte Volksrecht der salischen Franken im 5. Jahrh. in barbarischem Latein aufgezeichnet, mit eingeschobenen, stark korrumpierten und verderbten, daher schwer erkennbaren altfränk. Wörtern, den. sog. Malbergischen Glossen, eine… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Salisches Gesetz — (lex Salica), das in verderbtem Latein aufgezeichnete Volksrecht der salischen Franken, aus dem 5. Jahrh., durch Chlodwig, Childebert und Chlotar theilweise modificirt und erweitert. (Neueste Ausgabe von Merkel, Berlin 1850; vgl. auch Malbergsche …   Herders Conversations-Lexikon

  • Salisches Gesetz — Chlodwig diktiert die Lex Salica Die Lex Salica (Pactus Legis Salicae) wurde 507–511 auf Anordnung des Merowingerkönigs Chlodwig I. verfasst, womit sie eines der ältesten erhaltenen Gesetzbücher ist. Sie zählt zu den germanischen Stammesrechten.… …   Deutsch Wikipedia

  • Salisches Recht — Chlodwig diktiert die Lex Salica Die Lex Salica (Pactus Legis Salicae) wurde 507–511 auf Anordnung des Merowingerkönigs Chlodwig I. verfasst, womit sie eines der ältesten erhaltenen Gesetzbücher ist. Sie zählt zu den germanischen Stammesrechten.… …   Deutsch Wikipedia

  • Ripuārisches Gesetz — (Lex Ribuaria oder Ribuariorum), Gesetzbuch der ripuarischen Franken, zum größten Teile nach dem Vorbilde der Lex Salica (s. Salisches Gesetz) ausgearbeitet und jedenfalls in merowingischer Zeit, wahrscheinlich vor dem Tode Dagoberts I. (639),… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • 1. Karlistenkrieg — Als Carlismus (auch Karlismus) bezeichnet man eine monarchistische Bewegung in Spanien, die seit 1833 Angehörige einer auf Carlos María Isidro von Bourbon zurückgehenden Seitenlinie des bourbonischen Königshauses und mehrheitlich seit 1952… …   Deutsch Wikipedia

  • 2. Karlistenkrieg — Als Carlismus (auch Karlismus) bezeichnet man eine monarchistische Bewegung in Spanien, die seit 1833 Angehörige einer auf Carlos María Isidro von Bourbon zurückgehenden Seitenlinie des bourbonischen Königshauses und mehrheitlich seit 1952… …   Deutsch Wikipedia

  • 3. Karlistenkrieg — Als Carlismus (auch Karlismus) bezeichnet man eine monarchistische Bewegung in Spanien, die seit 1833 Angehörige einer auf Carlos María Isidro von Bourbon zurückgehenden Seitenlinie des bourbonischen Königshauses und mehrheitlich seit 1952… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”