Kohn

Kohn

Kohn, 1) Salomon, Schriftsteller, geb. 8. März 1825 in Prag, gest. daselbst 6. Nov. 1904, Sohn eines israelitischen Kaufmanns, studierte 1844–46 auf der dortigen Universität besonders mathematische Wissenschaften und trat dann als Teilnehmer in das väterliche Geschäft ein, das er 1863 allein übernahm; seit 1873 lebte er nur seiner literarischen Tätigkeit. K. ist Verfasser des Romans »Gabriel« (3. Aufl., Zürich 1897), der zuerst anonym in dem Sammelwerk »Sippurim« (Prag 1852) erschien, dann mehrfach übersetzt wurde, aber seltsamerweise in Deutschland nur in der englischen Ausgabe Verbreitung fand, ohne daß man den Verfasser kannte, der erst 20 Jahre später sein Autorrecht geltend machte. Von seinen weitern Schriften nennen wir die Romane: »Ein Spiegel der Gegenwart« (Jena 1875, 3 Bde.) und »Die silberne Hochzeit« (Leipz. 1882); »Prager Ghettobilder« (das. 1884); »Neue Ghettobilder« (2. Aufl., das. 1886); »Des Stadtschreibers Gast. Gerettete Ehre« (das. 1886); »Der Lebensretter und andre Erzählungen« (Berl. 1893); »Fürstengunst« (das. 1894); »Alte und neue Erzählungen aus dem böhmischen Ghetto« (Zürich 1896); »David Speier«, historischer Roman aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs (Frankf. a. M. 1896); »Ein deutscher Handelsherr« (Zürich 1896); »Judith Löhrach« (Straßb. 1897).

2) Theodor, Fürst-Erzbischof von Olmütz, geb. 22. März 1845 in dem tschechisch-mähr. Gebirgsdorf Brzeznitz, von Eltern jüdischer Abkunft, ward 1871 zum Priester geweiht und Kaplan in Wsetin und 1873 Religionsprofessor. 1874 berief ihn der Kardinal-Erzbischof Landgraf Fürstenberg als Zeremoniär, 1875 erwarb er die theologische Doktorwürde, wurde dann Konsistorialrat, päpstlicher Kämmerer und Professor des Kirchenrechts an der theologischen Fakultät zu Olmütz; auch veröffentlichte er einige Abhandlungen über Kirchenrecht und andres, teilweise in tschechischer Sprache. Als der Kardinal Fürstenberg 1883 erkrankte, übertrug er K. die Verwaltung der Diözese und ernannte ihn zum Kanzler des Erzbistums. 1887 wurde er Domherr. Im November 1892 wurde er an Stelle des verstorbenen Kardinals zum Fürst-Erzbischof erwählt. Seine Strenge insbes. bei der Verwaltung der großen dem Erzbistum gehörigen Güter erzeugte ihm mancherlei Gegnerschaft, Prozesse und Angriffe durch die Presse. Auch der niedere Klerus fand Grund zu Klagen, und berühmt wurden die nach dem anonymen Autor genannten, in einem tschechischen Olmützer Blatt Anfang 1903 erschienenen »Rectus-Briefe«. Bei dem Versuche, den Verfasser zu ermitteln, geschah ein Mißgriff, indem ein Unschuldiger vom Erzbischof interniert wurde, worauf sich P. Hofer aus Zabrzeh zur Verfasserschaft bekannte. Im weitern Verlaufe dieser Angelegenheit wurde der Erzbischof im Juni und wiederum im Dezember 1903 nach Rom berufen und dankte, nachdem das sogen. ökonomische Verfahren der Kongregation des Konzils zu seinen Ungunsten entschieden hatte, dem Wunsche des Papstes zuvorkommend, freiwillig ab (14. März 1904). Er lebt jetzt auf dem von ihm erkauften Gut Ehrenhausen in Steiermark.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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