Orth

Orth

Orth, 1) August, Architekt, geb. 25. Juli 1828 zu Windhausen bei Gittelde im Braunschweigischen, gest. 11. Mai 1901 in Berlin, bildete sich 1850–55 auf dem Collegium Carolinum in Braunschweig und auf der Bauakademie in Berlin, arbeitete in der Zwischenzeit ein Jahr lang im Atelier von Strack und machte 1858 das Baumeisterexamen. Nachdem er sich 1859 in Italien aufgehalten, entwickelte er, vornehmlich in Berlin, eine lebhafte Bautätigkeit auf dem Gebiete des Eisenbahn- und Kirchenbaues. Seine Hauptwerke sind: der Görlitzer Bahnhof in Berlin, der erste nach dem neuen Hallensystem erbaute, sowie alle übrigen Hochbauten dieser Bahn, die Zionskirche (1866–73), das jetzige Hotel der englischen Botschaft, der ältere Zentralviehhof mit Schlachthaus, die Dankeskirche, die Emmauskirche und mehrere Wohnhäuser in Berlin, die Kirche in Pyrmont und die Garnisonkirche in Neiße. Auch hat er die ersten Entwürfe für eine Stadtbahn in Berlin und für die Bebauung der Museumsinsel daselbst geliefert. In seinen Kirchenbauten bewegte sich O. in romanischen und gotischen Stilformen, die er jedoch dem modernen Raumbedürfnis anzupassen suchte. Außer zahlreichen Aufsätzen veröffentlichte er: »Berliner Zentralbahn« (Berl. 1871); »Die Akustik großer Räume« (das. 1872); »Entwurf zu einem Bebauungsplan für Straßburg« (Leipz. 1878); »Die Zukunft Charlottenburgs« (2. Aufl., Berl. 1881) u.a. O. war Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Vgl. Ebe, August O. Ein Lebensbild (Berl. 1904).

2) Albert, Agronom, geb. 15. Juni 1835 zu Lengefeld bei Korbach in Waldeck, studierte in Göttingen und Berlin, war dann drei Jahre in der Landwirtschaft und Technik tätig und 1860–65 Lehrer an der landwirtschaftlichen Lehranstalt in Beberbeck. 1870 habilitierte er sich als Privatdozent in Halle und wurde 1871 Professor an der Universität, zugleich Professor und Vorsteher des geologisch-agronomischen Laboratoriums der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin. Seit 1875 ist er Mitglied des Deutschen Landwirtschaftsrates und seit 1886 Vorsitzender des Ausschusses der Ackerbauabteilung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Während seiner Tätigkeit als Hilfsarbeiter an der preußischen Geologischen Landesanstalt bearbeitete er geologisch-agronomische Karten, welche Profile der obern Bodenschichten auf der geologischen Unterlage darstellen. O. wies darauf hin, daß für die Bestimmung der Ertragsfähigkeit des Bodens besonders auch die tiefern Schichten zu beachten sind. Er schrieb: »Beiträge zur Bodenuntersuchung« (Berl. 1868); »Geognostische Durchforschung des schlesischen Schwemmlandes zwischen dem Zobtener und Trebnitzer Gebirge« (das. 1872); »Die geognostisch-agronomische Kartierung, mit besonderer Berücksichtigung der geologischen Verhältnisse Norddeutschlands und der Mark Brandenburg« (das. 1875); »Rüdersdorf und Umgegend« (das. 1877); »Wurzelherbarium der landwirtschaftlichen Hochschule« (das. 1894); »Kalk- und Mergeldüngung« (das. 1896); auch lieferte er »Wandtafeln für den Unterricht in der Bodenkunde« (das. 1876).

3) Johannes, Mediziner, geb. 14. Jan. 1847 in Wallmerod (Nassau), studierte in Bonn und Berlin, wurde Assistent an der Bonner pathologischen Universitätsanstalt, trat 1873 in das Virchowsche Institut in Berlin ein, wurde 1878 Professor der pathologischen Anatomie und Direktor des Pathologischen Instituts in Göttingen und 1902 Nachfolger Virchows in Berlin. O. lieferte Beiträge zur Lehre von der Tuberkulose, speziell Untersuchungen über Fütterungstuberkulose, über die Beziehungen zwischen örtlicher und allgemeiner Miliartuberkulose und Lungentuberkulose, das Wesen der anatomischen Veränderungen bei Tuberkulose, die Entstehung der Tuberkulose, die Beziehungen zwischen der menschlichen Tuberkulose und der Rindertuberkulose etc. Auch studierte er in bakteriologischer Hinsicht das Kindbettfieber, die Wundrose, die Veränderungen auf der Innenhaut des Herzens etc. Diese Untersuchungen fallen in die Zeit vor der Schaffung der neuen Methodik der Bakteriologie durch R. Koch. Er schrieb: »Ätiologisches und Anatomisches über Lungenschwindsucht« (Berl. 1887); »Über die Entstehung und Vererbung individueller Eigenschaften« (Leipz. 1887); »Kompendium der pathologisch-anatomischen Diagnostik« (Berl. 1876; 5. Aufl. u. d. T. »Pathologisch-anatomische Diagnostik«, 1894; 6. Aufl. 1900); »Kursus der normalen Histologie« (das. 1878, 5. Aufl. 1888); »Lehrbuch der speziellen pathologischen Anatomie« (das. 1883–93, 2 Bde.; Ergänzungsband von Unna, Greeff, Steinbrügge, 1894 f); »Über käsige Pneumonie« (das. 1891); »Gefühl und Bewußtseinslage« (in der »Sammlung von Abhandlungen aus dem Gebiet der pädagogischen Psychologie«, das. 1903); »Medizinischer Unterricht und ärztliche Praxis« (Wiesbad. 1898); »Angeborne und erworbene Krankheiten und Krankheitsanlagen« (in Senators und Kaminers »Krankheiten der Ehe«, Münch. 1904). Zu Virchows 50jährigem Doktorjubiläum gab er »Arbeiten aus dem Pathologischen Institut in Göttingen« (Berl. 1893) heraus. Seit 1903 ist er Herausgeber von »Virchows Archiv für pathologische Anatomie etc.«

4) Johann, s. Johann 20).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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