Halswunden

Halswunden

Halswunden können betreffen die am Halse liegenden großen Schlag- und Blutadern. Werden die Schlagadern durch Hieb oder Stich eröffnet (besonders die Arteria anonyma oder subclavia oder die Carotis communis), so erfolgt der Tod durch Verblutung, wenn nicht bis zum Eintreffen ärztlicher Hilfe die verletzten Gefäße sachgemäß komprimiert werden. Bei Verletzung der Halsblutadern droht neben der Blutung noch der Eintritt von Luft, der raschen Tod herbeiführt. Dieser Lufteintritt verrät sich durch ein schlürfendes Geräusch und ist besonders zu befürchten, wenn bei krankhaften Veränderungen der Venenwandungen die Öffnung klafft. Deshalb ereignen sich diese unglücklichen Zufälle eher bei operativen Wunden zum Zweck der Entfernung pathologischer Neubildungen als bei sonstigen Stich- und Schnittwunden. Nur schleunige, kunstgemäße Unterbindung der verletzten Gefäße kann den Verwundeten retten. – Wunden am Kehlkopf und der Luftröhre sind meist Folgen von Selbstmordversuchen. Auch hierbei kann bedenklicher Blutverlust auftreten, daneben aber auch Blut in die Luftröhre und Bronchien hinabfließen, das von dem stark geschwächten Patienten nicht mehr ausgehustet wird. Man muß daher nach gestillter Blutung das Blut aus der Luftröhre durch Ansaugen mittels Röhrchen (Katheter) entfernen. Eine durch drohende Erstickung gefährliche Komplikation ist das bei Kehlkopfwunden leicht auftretende Ödem des Kehldeckels. Nur die Tracheotomie oder Intubation bringt in solchen Fällen Rettung, die oft auch, besonders da, wo nicht sofort ärztliche Hilfe zur Hand ist, prophylaktisch ausgeführt wird. Leicht dringt auch bei Wunden der Luftwege die Exspirationsluft in das Unterhautzellgewebe ein und ruft weitverbreitetes Emphysem hervor, das selbst bis in den mittlern Teil des Brustfelles (Mediastinum) weiter schreiten kann. Die Stimme fehlt natürlich bei allen Wunden unterhalb der Stimmbänder; es kann aber auch eine Verletzung der Nervi recurrentes Tonlosigkeit erzeugen. – Die Speiseröhre wird meist mit den Luftwegen zusammen, selten allein verwundet. Zunächst muß man bei diesen Wunden die Schlundsonde ein- und besonders sorgsam an der verwundeten Stelle vorbei bis in den Magen führen; durch diese geht die Ernährung so lange vor sich, bis Heilung erfolgt ist. Zuweilen gelingt es, die Wunde der Speiseröhre durch Naht zu vereinigen.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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