Staubregen

Staubregen

Staubregen, der Fall von zimt- oder blutfarbigem Staub (Passatstaub), der an den Westküsten des tropischen Afrika, namentlich zwischen Kap Bojador und Kap Blanco, so häufig ist, daß man wegen der dadurch veranlaßten Trübung der Luft die dortige Meeresgegend als Dunkelmeer (s. d.) bezeichnet. Diese Erscheinung, seit den ältesten Zeiten als Blutregen bekannt, kommt auch in Nordafrika und Italien vor und dehnt sich zuweilen über ganz Europa bis nach Schweden und Rußland aus und ist auch in Asien, vielleicht bis Turkistan und China bekannt. Vereinzelte Fälle von S. werden aus Südamerika und Nordafrika berichtet. Der Staub enthält Kieselsäure, Tonerde, Eisenoxyd, Manganoxyd, kohlensauren Kalk, Magnesia, Kali, Natron, Kupferoxyd, Wasser und organische Materie etc. Er wird als trockenes Verwitterungsprodukt, als feinste Abwehung von Wüstensand bezeichnet und besteht aus seinem Quarzsand und noch feinerm, gelblichem oder rötlichem Mulm mit mikroskopischen organischen Formen und Fragmenten (über 300 Arten von Polygastern, Polythalamien etc.). Nur spärlich, aber fast regelmäßig finden sich Fragmente von Bimsstein, Tuffen und vulkanischen Aschen; die Organismen gehören meist dem Süßwasser und dem Land, nur wenige dem Meer an. Die Größe der Staubteilchen nimmt vom Ursprungsort an mit zunehmender Entfernung ab; bei dem großen Staubfall vom 9.–11. März 1901 betrug sie in Palermo etwa 0,012 mm, bei Hamburg aber nur noch 0,004–0,009 mm. Auf europäischem Boden fiel damals Staub von schätzungsweise 1,800,000 Ton. im Gewicht. Die Ursache des Staubregens sind heftige Stürme im Innern Afrikas, bei denen infolge starker Erhitzung lebhafte aufsteigende Luftbewegung stattfindet und der Staub in große Höhen getragen wird. Dort gelangt er in Luftströmungen, die ihn weithin fortführen. Fällt er auf Schnee, so entsteht der Blutschnee, wird er vom Regen aufgenommen, so bildet sich der Schlammregen. Der Schwefelregen besteht aus von Regen aufgenommenem Blütenstaub, besonders der Kiefer, der die Pfützen gelb umsäumt. Nicht zu verwechseln mit dem S. ist der sogen. Meteorstaub (s. auch Wunderregen). Vgl. Ehrenberg, Passatstaub und Blutregen (Berl. 1847 u. 1871); Hellmann und Meinardus, Der große Staubfall vom 9.–12. März 1901 (das. 1901); Valentin, Der Staubfall vom 9.–12. März 1901 (Wien 1902); Hann und Hellmann, Der Staubfall vom Februar 1903 (in der »Meteorologischen Zeitschrift 1903«, das.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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