Lebende Bilder

Lebende Bilder

Lebende Bilder (franz. Tableaux vivants), Darstellungen von Werken der Malerei und Plastik durch lebende Personen, die schon im römischen Altertum bei festlichen Gelagen von Gauklern und Tänzern, gewöhnlich am Schlusse von Pantomimen, zur Anschauung gebracht wurden. Von Rom verbreiteten sie sich über das Abendland, und namentlich nach Byzanz, wo sich die spätere Kaiserin Theodora, die Gemahlin Justinians 1., die in ihrer Jugend Tänzerin und Pantomimistin gewesen war, in Attitüden hervortat. In neuerer Zeit wurde das Genre durch Frau v. Genlis (s. d.), die Erzieherin der Kinder des Herzogs von Orléans, wieder belebt, die zur Belehrung und Unterhaltung ihrer Zöglinge dergleichen Darstellungen arrangierte und sich dabei der Hilfe der Maler David und Isabey bediente. Bekannter sind die Vorführungen besonders antiker Statuen durch Lady Hamilton (s. d. 8, S. 695 f.). Auf der königlichen Bühne in Berlin machte man zuerst mit Erfolg den Versuch, solche l. B. auch dem größern Publikum zugänglich zu machen. Auch sonst bedient man sich bei besondern Anlässen, Festvorstellungen, Traumerscheinungen etc. auf der Bühne der lebenden Bilder. Während der Dauer der Schaustellung eines Bildes ist die richtige unbewegliche Beleuchtung des Hauptpunktes genau zu beachten. Bei komischen Bildern läßt man auch wohl vor den Augen der Zuschauer die Stellung verändern, so daß der Effekt noch vermehrt und gesteigert wird. In neuerer Zeit werden l. B. besonders auf den sogen. Spezialitätentheatern gestellt, auf denen Marmorfiguren und -Gruppen nach antiken und modernen Vorbildern und vollständige Bilder unter wechselnder Beleuchtung von lebenden Menschen reproduziert werden. – Lebende Lieder heißen dramatische Gesangsaufführungen mit hervortretender Mimik nach Art der lebenden Bilder, auf kleiner Bühne namentlich kurze dramatische Gesangsszenen der Brettl-Theater, die zwischen wenigen Personen spielen. Vgl. Wallner, Tausend Sujets zu lebenden Bildern (4. Aufl., Erfurt 1895); Sédouard, Buch der lebenden Bilder (2. Aufl., Berl. 1900); umfangreichere Sammlungen (mit Text) sind Blochs »Galerie lebender Bilder« (Berlin) und die »Sammlung lebender Bilder« (Mühlhausen).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Игры ⚽ Поможем решить контрольную работу

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • lebende Bilder — lebende Bilder,   französisch Tableaux vivants [ta blo vi vã], die Darstellung von Werken der Malerei und Plastik, auch von biblischen Szenen, Allegorien, Geschehnissen jeglicher Art, durch stumme und bewegungslos verharrende Personen. Der Sache… …   Universal-Lexikon

  • Lebende Bilder — Lebende Bilder, die Darstellung von Werken der Malerei u. Plastik durch lebende Personen, s. Tableau …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Lebende Bilder — (frz. tableaux vivants), nennt man die Darstellung von Werken der bildenden Kunst, der Malerei oder Bildhauerei durch lebende Personen, sowohl von ganzen Gruppen als einzelnen Figuren. Die Erfindung derselben wird Frau von Genlis zugeschrieben.… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Lebende Bilder — Eine „Gruppe“ aus dem Mariinski Theater in Sankt Petersburg 1890 Als Tableaux vivants (frz. „lebende Bilder“) bezeichnet man Darstellungen von Werken der Malerei und Plastik durch lebende Personen. Diese Mode kam gegen Ende des 18. Jahrhunderts… …   Deutsch Wikipedia

  • Lebende Schachpartie — Lebendes Schachspiel in Monselice (Italien) Lebendschach ist eine seit Jahrhunderten anzutreffende Schachform, bei der Schach mit lebenden Figuren gespielt wird beziehungsweise Schachfiguren durch Menschen in Kostümen dargestellt werden.… …   Deutsch Wikipedia

  • Living Mannequins — Lebende Statue in Rom Living Mannequins (dt.: lebende Schaufensterpuppen) bezeichnet männliche und weibliche Models, die durch Bekleidung, Schminke und durch das bewegungslose Verhalten die Illusion aufbauen, pflegen und aufrechterhalten, sie… …   Deutsch Wikipedia

  • Tableaux vivants — Eine „Gruppe“ aus dem Mariinski Theater in Sankt Petersburg 1890 Als Tableaux vivants (frz. „lebende Bilder“) bezeichnet man Darstellungen von Werken der Malerei und Plastik durch lebende Personen. Diese Mode kam gegen Ende des 18. Jahrhunderts… …   Deutsch Wikipedia

  • Lebendes Bild — Eine „Gruppe“ aus dem Mariinski Theater in Sankt Petersburg 1890 Als Tableaux vivants (frz. „lebende Bilder“) bezeichnet man Darstellungen von Werken der Malerei und Plastik durch lebende Personen. Diese Mode kam gegen Ende des 18. Jahrhunderts… …   Deutsch Wikipedia

  • Tableau Vivant — Eine „Gruppe“ aus dem Mariinski Theater in Sankt Petersburg 1890 Als Tableaux vivants (frz. „lebende Bilder“) bezeichnet man Darstellungen von Werken der Malerei und Plastik durch lebende Personen. Diese Mode kam gegen Ende des 18. Jahrhunderts… …   Deutsch Wikipedia

  • Photogrăphie — (v. gr.), 1) Beschreibung des Lichts, ein Theil der Optik; 2) die Kunst, die durch eine Camera obscura erzeugten optischen Bilder (vgl. Bild 3) u. Linse A) auf einer chemisch präparirten Fläche als bleibende Bilder zu fixiren; 3) die so erzeugten …   Pierer's Universal-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”