Halskrause

Halskrause

Halskrause, eine leichte gefältete Halsbekleidung, entwickelte sich zu Anfang des 16. Jahrh. aus dem Saum des Hemdes und trat zunächst in mäßiger Größe auf. Später vom Hemd getrennt, wurde sie zum selbständigen Kleidungsstück und wuchs allmählich in Höhe und Breite so ins Ungeheure, daß sie wie ein Mühlstein den Hals bis an die Ohren umschloß. In dieser (spezifisch spanischen) Form, mit Draht unterzogen und steif gestärkt, herrschte sie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. gleichmäßig bei Männern und Frauen. Während sie sich in Holland in dieser Form, namentlich bei ältern Frauen, noch bis über die zweite Hälfte des 17. Jahrh. erhielt, verwandelte sie sich in den mehr dem Wandel des Geschmacks zugänglichen Ländern bereits gegen Ende des 16. Jahrh. mit dem Aufkommen der ausgeschnittenen Frauenkleider in einen hochstehenden, fächerförmigen Spitzenkragen, worauf sie sich zu Anfang des 17. Jahrh., als die langen Haare wieder Mode wurden, auf die Schultern hinabsenkte, nunmehr aus einem steifen Kragen und einem gekräuselten Rand bestehend. Aus dieser Form und dem wallonischen Reiterkragen entstand sodann der hinabfallende Spitzenkragen, der schon während des Dreißigjährigen Krieges allgemein herrschte, und an dessen Stelle bei den Männern später das Halstuch (s. d.) trat, während sich die steife spanische H. nur bei Ratsherren und lutherischen Geistlichen bis ins 18. Jahrh. erhielt, ja von letztern hier und da noch jetzt getragen wird. Auch in der Amtstracht der Hamburger Bürgermeister und Senatoren hat sich die mühlsteinförmige H. noch erhalten. S. Tafel »Kostüme II«, Fig. 11 und 12; Tafel III, Fig. 1, 2, 3 und 6.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Halskrause — Halskrause, 1) eigne Bedeckung des Halses von weißem seinem Zeug, welches in größere od. kleinere Falten gelegt ist; 2) (Predigerkragen), s.u. Bäffchen; 3) ein Streif seinen weißen Zeuges, welcher statt des Kragens an das Hemde genäht ist, bes.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Halskrause — Der Ausdruck Halskrause bezeichnet Cervicalstütze, Stützvorrichtung für die Halswirbelsäule Halskrause (Friseur) Halskrause (Mensur) beim Fechten Halskrause (Mode), Kleidungsstück, Halskrause (Talar), Pastorenkragen bei protestantischen Pastoren …   Deutsch Wikipedia

  • Halskrause — Krause * * * Hạls|krau|se 〈f. 19〉 breiter, gekräuselter od. gefältelter Kragen an gewissen alten Trachten u. über dem Talar protestant. Geistlicher * * * Hạls|krau|se, die: a) gefältelter Kragen (bei einigen Trachten u. bestimmten Formen des… …   Universal-Lexikon

  • Halskrause (Friseur) — Halskrause Die Halskrause ist ein Schutzkragen für den Kunden beim Friseur. Eine breite Halsbinde aus kreppähnlichem Material wird straff um den Hals des Kunden gelegt, anschließend kommt darüber ggf. ein Handtuch oder der Frisierumhang. Die… …   Deutsch Wikipedia

  • Halskrause (Medizin) — HWS Schiene, offen und geschlossen Eine Cervicalstütze oder Zervikalstütze (von lat. cervix, der Hals) ist ein zirkulärer Halsverband zur Entlastung der Halsstrukturen. HWS Schiene …   Deutsch Wikipedia

  • Halskrause (Mode) — Die Halskrause (auch: Kröse, Fraise, Duttenkragen) entstand als Bestandteil der Kleidung im 16. Jahrhundert aus dem in Rüschen gezogenen Abschluss des Kragens. Die Halskrause war in der Regel aus weißem Leinen, gestärkt, mit einer… …   Deutsch Wikipedia

  • Halskrause (Mensur) — Die Halskrause ist Schutzausrüstung des Paukanten bei der Mensur, dem akademischen Fechten mit scharfen Waffen, wie es bis heute von Studentenverbindungen gepflegt wird. Sie schützt die Halsschlagadern des Paukanten und verhindert tödliche… …   Deutsch Wikipedia

  • Halskrause (Talar) — Paul Gerhardt mit einer frühen Form des Beffchens Das Beffchen (auch Bäffchen, von lateinisch biffa „die Halsbinde“) war ein im 17. Jahrhundert am Halsausschnitt getragenes 10–15 cm langes rechteckiges weißes Leinenstück. Es ist ein Rest des… …   Deutsch Wikipedia

  • Halskrause, die — Die Halskrause, plur. die n, eine Krause, so fern sie am Halse getragen wird, dergleichen noch bey den evangelischen Geistlichen an einigen Orten üblich sind, zum Unterschiede von den Hand und andern Krausen; Nieders. Kruuskragen, Lobbe …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Halskrause — Halskrausef 1.RitterkreuzdesEisernenKreuzes;Halsorden.EigentlichdieschmalekrausgefälteteHalsbekleidung.Sold1939ff. 2.Halstuch.BSD1965ff. 3.biszurHalskrausebeladen=überfüllt.1935ff. 4.biszurHalskrausegefüllt=biszumRandgefüllt;dichtbesetzt.1935ff.… …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

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