Projektionskunst

Projektionskunst

Projektionskunst, die Herstellung eines verhältnismäßig weithin sichtbaren Bildes, das mit Hilfe einer Laterna magica oder eines neuern Projektionsapparats als Vergrößerung irgend eines Gegenstandes auf eine weiße Fläche geworfen wird. Als solche Fläche benutzt man in Vorlesungssälen eine mit weißer Ölfarbe gestrichene glanzlose Wand des Saales oder einen mit starkem glanzlosen Papier überzogenen oder mit Schirting bespannten Rahmen. Auf letztern ist man angewiesen, wenn der Apparat hinter der Bildwand aufgestellt werden soll. Der Stoff wird alsdann mit Wasser getränkt und durch Anspritzen feucht erhalten. Das zu vergrößernde Objekt ist meist ein Bild und am besten eine Photographie auf Glas (Diapositiv), da diese allein bei der gewöhnlich sehr starken Vergrößerung keine groben Unschönheiten und Ungenauigkeiten in den zarten Details zeigt. Projektionsbilder für augenblicklichen Gebrauch kann man auf Pauspapier oder Pausleinwand zeichnen und zwischen zwei Glasplatten, deren Ränder man mit Papier zusammenklebt, montieren. In ähnlicher Weise lassen sich auch durchsichtige oder durchscheinende Gegenstände, wie Blütenblätter, Gesteindünnschliffe etc., im Projektionsapparat vorführen und durch Kombination mit einem Mikroskop sehr starke Vergrößerungen erreichen (vgl. Mikroskop). Wenn man ferner an Stelle des Bildhalters eine mit zwei parallelen Spiegelglaswänden versehene Küvette einsetzt, so lassen sich darin physikalische und chemische Experimente machen und gleichzeitig eine Anzahl Personen zur Anschauung bringen. Figur 1 gibt ein Schema der optischen Einrichtung eines zunächst für die Projektion von Glasbildern (Diapositiven) bestimmten Apparats. L ist die Lichtquelle (Drummondsches oder elektrisches Licht), die sich im gemeinsamen Brennpunkte der aus zwei Linsen bestehenden Kombination A befindet.

Fig. 1. Optische Einrichtung eines Projektionsapparats.
Fig. 1. Optische Einrichtung eines Projektionsapparats.

Aus dieser treten die Strahlen parallel aus und gelangen durch die Linse A', die die Strahlen wiederum in ihrem Brennpunkt vereinigt. Hier etwa befindet sich das sogen. Projektionsobjektiv O, das um etwas mehr als den Betrag seiner Brennweite von dem hinter der Linse A' eingeschalteten Glasbild B entfernt ist. Zur Scharfeinstellung des Bildes auf den Wandschirm besitzt O irgend einen Verschiebungsmechanismus. Zur Absorption der von der Lichtquelle ausgehenden Wärmestrahlen ist zwischen A und A' eine mit parallelen Spiegelglaswänden versehene Wasserküvette a eingeschaltet. Bei lange im Gebrauch befindlichen Apparaten und bei Benutzung einer sehr intensiven Lichtquelle ist zur bessern Kühlung fließendes Wasser anzuwenden. Einen modernen größern Projektionsapparat veranschaulicht Fig. 2.

Fig. 2. Größerer Projektionsapparat.
Fig. 2. Größerer Projektionsapparat.

In dem mit den erforderlichen Türen, Ventilations- und Durchblicksöffnungen versehenen Gehäuse (Kamera) G ist von obenher eine selbstregulierende Bogenlampe eingesetzt. Der optische Teil ist an die Vorderwand der Kamera montiert. Zum Zweck gleichmäßiger Lichtverteilung bei den verschiedenen Anwendungsarten des Apparats kann der der Lichtquelle genäherte Teil C des Kondensors mittels der Griffe s, s verschoben werden. Ak bedeutet die zwischen zwei Metallwänden einschiebbare, zur Kühlung dienende und mit Zuflußhahn versehene Wasserkammer. Bei Bl befindet sich die dritte Linse des Kondensors, und unmittelbar an diese schließt sich der Durchbruch D für die Bilderschieber an. Sodann folgt ein trichterförmiger Rohransatz A, der mit dem übrigen Teil durch die Klemmschrauben t' verbunden ist und an seinem verjüngten Ende das Projektionsobjektiv o trägt. Für die grobe Einstellung besitzt letzteres noch einen besondern, durch die Knöpfe s', s' zu verschiebenden Tubus. Um den Apparat zur Darstellung und Vorführung verschiedenartiger physikalischer und chemischer Experimente und Apparate verwendbar zu machen, wird der trichterartige Teil A abgenommen, die betreffenden Apparate etc. mittels geeigneter Untersätze dicht an D herangebracht und das zuvor abgeschraubte Projektionsobjektiv an einem Stativ od. dgl. befestigt. Damit es auch möglich ist, ohne Schwierigkeiten die Linse Bl durch eine andre von kürzerer oder längerer Brennweite zu ersetzen oder auch mit einem parallelen Lichtbündel zu operieren, kann der die Linse Bl tragende Teil leicht nach Lösen der Schraube l' abgehoben werden.

FRig. 3. Mikroskop für Projektionszwecke.
FRig. 3. Mikroskop für Projektionszwecke.

Die Verwendung des Apparats in Gemeinschaft mit einem Mikroskop (Fig. 3 zeigt ein speziell für Projektionszwecke konstruiertes Mikroskop) oder einer optischen Bank zur Vorführung verschiedenster optischer Erscheinungen wird dadurch ermöglicht, daß das Projektionsobjektiv durch eine Konkavlinse ersetzt wird, die ein paralleles Lichtbündel von dem erforderlichen Querschnitt aussendet. Undurchsichtige Objekte werden mittels auffallenden Lichtes im Megaskop oder Episkop projiziert. Das von Zeiß konstruierte Epidiaskop ist für durchsichtige und undurchsichtige Gegenstände geeignet. Es ermöglicht, Photographien, Holzschnitte etc., auch Druck- oder Handschriften und flache Gegenstände, d. h. solche von geringer Tiefenausdehnung, von einer Größe bis zu 22 cm Durchmesser in durchschnittlich zehnfacher Vergrößerung einer größern Zuhörerschaft zu zeigen. Durch einfaches Drehen eines Hebels wird der Apparat geeignet zur Abbildung von Glasbildern, durchscheinenden oder teilweise durchscheinenden Gegenständen etc. Das Epidiaskop kann, wenn eine zweite Projektionslampe nebst Beleuchtungssystem eingeschaltet wird, auch zur Mikroprojektion benutzt werden und zwar durch Aufsetzen eines Mikroskops unter Zuhilfenahme eines Reflexionsprismas, um das Bild seitlich auf die Wand zu werfen. Um den Beschauern des projizierten Bildes den plastischen Eindruck zu vermitteln, den der einzelne beim Betrachten eines stereoskopischen Bildpaares im Stereoskop hat (stereographische Projektion), sind verschiedene Methoden angegeben, die darauf beruhen, daß die beiden Einzelbilder gleichzeitig auf den Schirm projiziert werden, und daß dann jeder Beschauer eine Brille aufsetzt, die jedem Auge nur das dazugehörige Bild zeigt. Man projiziert auch die Bilder in komplementären Farben (rot und grün) auseinander an dieselbe Stelle des Schirms. Setzt dann der Beschauer vor sein rechtes Auge ein grünes, vor das linke ein rotes Brillenglas, so sieht er mit dem rechten Auge das rote Bild schwarz auf grünem Grunde, mit dem linken das grüne Bild schwarz auf rotem Grund und vereinigt beide zu einem plastischen schwarzen Bild auf weißem Grund. Über die Projektion farbiger Bilder nach dem Dreifarbenverfahren s. Photographie, S. 831 s. Die P. hat in neuester Zeit große Bedeutung für den Unterricht gewonnen, namentlich seitdem speziell für diesen Zweck geeignete Glasbilder hergestellt werden. Vgl. Böhm, Anleitung zur Darstellung mittels der Laterna magica und des Nebelbilderapparats (Hamb. 1876); Liesegang, Skioptikon und Nebelbilderapparat (2. Aufl., Düsseld. 1875) und Die P. für Schulen, Familien und öffentliche Vorstellungen (11. Aufl., das. 1903); Bahr, Der Nebelbilderapparat (2. Aufl., Hamb. 1878); Stein, Die optische P. im Dienste der exakten Wissenschaften (Halle 1887); Neuhaus, Die Mikrophotographie und die Projektion (das. 1894) und Lehrbuch der Projektion (das. 1901); Zoth, Die Projektionseinrichtung am Grazer Physiologischen Institut (Wien 1895); Schiendl, Die optische Laterne und die Projektion (Karlsr. 1896); Schnauß, Der Projektionsapparat (Dresd. 1899); Schmidt, Anleitung zur Projektion (Berl. 1901).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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