Bortenweberei

Bortenweberei

Bortenweberei, die Verfertigung der Borten, bandförmiger Gewebe, auf Web- oder Mühlstühlen. Gold- und Silberborten werden aus Gold- und Silbergespinst, d. h. aus Seide gefertigt, die mit Lahn umsponnen ist, und heißen echte, wenn letzterer aus goldplattiertem Silberdraht oder echtem Silber, unechte oder leonische, wenn der Lahn aus vergoldetem, versilbertem oder gelb zementiertem Kupferdraht besteht. Atlasborten, 5-, 6-, 7- oder 8schäftiger Atlas mit Kette und Schuß aus Gold- oder Silbergespinst. Tressen- oder Treßborten haben auf beiden Seiten das nämliche Dessin und lassen auf keiner Seite Teile der Kette durchblicken. Stickertressen haben auf der rechten Seite ein Dessin von Gold oder Silber auf Seidengrund, auf der andern dasselbe Dessin von Seide auf Gold- oder Silbergrund. Bandborten (Halbborten) zeigen auf einer Seite das Ketten-, auf der andern das Einschußmuster. Der Einschuß ist hier, wie bei den Stickertressen, aus Gespinst und Seide gemischt, so daß abwechselnd ein Faden Gold- oder Silbergespinst und ein mehrfacher Seidenfaden eingeschossen wird. Bei Lahn- oder Plaschborten besteht die Kette aus Seide, der Einschuß aus Gold- oder Silbergespinst und aus Lahn, weil abwechselnd ein oder zwei Fäden Gespinst und ein Faden Lahn eingeschossen werden. Während nun der Lahn die Figur der rechten Seite bildet, hält das Gespinst, indem es die Kettenfäden bindet, das Gewebe zusammen und bildet zugleich an den Stellen, wo keine Figur (also auch kein Lahn) sichtbar ist, den matten Grund für die glänzende Zeichnung. Wollene und seidene Borten sind Militärborten, aus Seide, Wolle oder Kamelhaar treffenartig (d. h. auf beiden Seiten gleich) gewebt, oder Gurte und Leitseile für Reit- und Wagenpferde, ein Gewebe, auf dem die Kette (aus Seide oder Wolle, oft auch stellenweise aus Gold- oder Silbergespinst bestehend) zum größten Teil sichtbar ist und Dessins bildet, während der Einschuß aus mehrfachem Leinenzwirn zusammengesetzt ist. Beide Seiten sind hier recht. Dergleichen Gewebe nennt man Arbeit mit Gegenkorden. Bei wirklich treffenartig gewebten Leitseilen besteht die Kette aus Bindfaden, während die Figur durch den seidenen oder wollenen Einschuß auf beiden Seiten gleich gebildet wird. Die Wagen- und Livreeborten sind auf der Oberfläche mit einem Flor von kleinen stehenden Ringen und Maschen bedeckt (Samt- oder Noppenborten). Einige, bei denen nur die zum Dessin bestimmten Stellen mit Samt bedeckt sind, haben einen glatten, meist atlasartigen Grund; bei andern, deren ganze rechte Seite eine Samtfläche ist, wird das Dessin durch die Farbenunterschiede der Samtmaschen (Noppen) gebildet.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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