Schilluk

Schilluk

Schilluk (Singular: Schilkawi), Negervolk in Afrika, am Westufer des Weißen Nils, zwischen 11 und 9° nördl. Br. Von ihren ursprünglichen Sitzen am Sobat verdrängt, sind sie jetzt die nördlichsten Neger des Niltales. Im N. bis zum Bahr el Ghazal wohnen die eigentlichen S., am Bahr el Ghazal und Tondsch die Dschur und Dembo, eine Enklave im Dinkavolk, weiter südlich, von den Dinka durch die ganze Breite des Bongolandes getrennt und bereits an die Niam-Niam grenzend, die Belanda. In etwa 3000 Dörfern wohnend, sollen sie 1 Mill. stark sein. Von dunkler Hautfarbe und kraushaarig, erscheinen ihre Gesichtszüge nicht ausgeprägt negerhaft; sie reihen sich nach Schweinfurth den edlern Rassen Zentralafrikas an. Gegen ihre Nachbarn nur mäßig groß, bedecken sie ihren Körper mit einer Aschenschicht, frisieren ihr Haar in künstlicher Weise, brechen die untern Schneidezähne aus und stecken in Ober- und Unterlippe Quarzstücke. Schambedeckung fehlt den Männern, die Weiber tragen einen Lendenschurz von Fell. Beschneidung und Tättowierung kommen nicht vor. Ihre Sprache, nahe mit den andern Nilsprachen (s. d.) verwandt, kennt mit den hamitischen die Unterscheidung von zwei Geschlechtern. Die S., mit ihren Nachbarn beständig auf Kriegsfuß, treiben zugleich Ackerbau (Sesam, Durra, Bohnen, Tabak) und Viehzucht, daneben Jagd und Fischfang (Einbäume). Doch leben sie vornehmlich vom Ertrag ihrer Herden. Sie bildeten ursprünglich einen selbständigen Staat, an dessen Spitze ein despotischer König (Bondu) stand, der zu Denab, später zu Faschoda residierte. Von den Ägyptern 1861 unterworfen und häufig bedrückt, erlangten sie durch den Aufstand des Mahdi ihre Unabhängigkeit; mit dessen Niederwerfung durch die englisch-ägyptische Armee 1898–99 (s. Ägypten, S. 200) ging ihr Gebiet in das zu Ägypten gehörige Territorium des Sudân über, und zwar gehört es zum Gouvernement (Mohafza) Obernil (früher Faschoda). Vgl. Schweinfurth, Im Herzen von Afrika (neue Ausg., Leipz. 1878).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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