Spechte

Spechte

Spechte (Picidae), Familie der Klettervögel, gestreckt gebaute Vögel mit mindestens kopflangem, starkem, geradem, meißelförmig zugeschärftem, auf dem Rücken scharfkantigem Schnabel, dünner, langer, platter, horniger, weit vorschnellbarer Zunge mit kurzen Widerhaken an den Seiten, mittellangen, etwas abgerundeten Flügeln, keilförmigem Schwanze, dessen Steuerfedern steife, spitze Schaftenden besitzen, kurzen, starken Füßen mit langen, paarig gestellten Zehen und großen, starken, scharfen Nägeln. S. sind in mehr als 300 Arten mit Ausnahme Australiens und Madagaskars über die ganze Erde verbreitet. Sie leben ungesellig in Wäldern, Baumpflanzungen und Gärten, scharen sich bisweilen, besonders in der Strich- und Wanderzeit, zu starken Gesellschaften, vereinigen sich aber auch mit kleinern Strichvögeln. Sie bewegen sich fast nur kletternd, hüpfen auf dem Boden ungeschickt und fliegen ungern weit. Sie suchen ihre Nahrung, hauptsächlich Kerbtiere, hinter Baumrinde, die sie, an den Bäumen aufwärts kletternd, mit dem Schnabel abmeißeln. Die Stimme ist ein kurzer, wohllautender Ruf, mit dem Schnabel bringen sie außerdem ein im Walde weithin schallendes Knarren hervor. In Bäumen mit morschem Kern zimmern sie Höhlen, die mit Spänen ausgekleidet werden, und legen darin 3–8 weiße Eier, die von beiden Geschlechtern ausgebrütet werden. Sie fressen Waldsämereien, Beeren, Ameisen (einige legen selbst Vorratskammern an), auch wohl Bienen und entrinden bisweilen junge Stämmchen, sind aber vorwiegend nützlich durch Vertilgung schädlicher Insekten und durch Schaffung von Niststätten für Höhlenbrüter. Der Schwarzspecht (Luderspecht, Krähenspecht, Holz-, Hohlkrähe, Tannenroller, Dryocopus martius L., s. Tafel »Klettervögel I«, Fig. 1), 50 cm lang, 75 cm breit, mattschwarz, am Oberkopf (Männchen) oder Hinterkopf (Weibchen) rot, findet sich in Europa (im Westen fehlend) und Asien zwischen 38 und 60° nördl. Br., östlich bis Japan, in großen Waldungen, weniger in gut geordneten Forsten, als Standvogel, wird bei uns immer seltener und meidet die Nähe menschlicher Wohnungen. Er ist sehr munter und gewandt, fliegt besser als die andern Arten, nährt sich besonders von Roßameisen und ihren Puppen sowie von allen Larven, die im Nadelholz leben, und meißelt, um diese zu erlangen, oft große Stücke aus den Bäumen und Stöcken heraus. Die Bruthöhle wird meist in Buchen und Kiefern angelegt und ist etwa 40 cm tief bei 15 cm Durchmesser; im April legt das Weibchen 3–5 porzellanweiße Eier (s. Tafel »Eier I«, Fig. 3). Der Buntspecht (Rot-, Schildspecht, Dendrocopus major L., s. Tafel »Klettervögel I«, Fig. 3), 25 cm lang, 48 cm breit, ist oberseits schwarz, unterseits gelbgrau, mit gelblichem Stirnband, weißen Wangen, Halsstreifen, Schulterflecken und Flügelbändern, schwarzen Streifen an der Halsseite, am Hinterkopf und Unterbauch rot; findet sich in Europa durch Südsibirien bis zum Amur und in Kleinasien, besonders in Kiefernwäldern, erscheint im Herbst und Winter in den Garten und streift dann auch mit andern Vögeln umher; er nährt sich besonders von den unter der Rinde der Nadelhölzer lebenden Käfern, von Nüssen und Beeren, Fichten- und Kiefernsamen, zu dessen Gewinnung er oft in einen Ast ein Loch hackt, um den Zapfen darin festzuklemmen. Zur Anlegung seiner Bruthöhle bevorzugt er weiche Holzarten, doch beginnt er viele Höhlungen auszuarbeiten, bevor er eine einzige vollendet. Das Weibchen legt Ende April 4–6 weine Eier. In der Gefangenschaft ist er sehr unterhaltend und gewöhnt sich bald an ein Ersatzfutter. In den Laubwaldungen der Ebene gesellt sich zu ihm der etwas kleinere Mittelspecht (D. medius L.), der fast ausschließlich von Kerbtieren lebt, und ebendaselbst findet sich auch der Kleinspecht (Kleiner Buntspecht, Grasspecht, Sperlingsspecht, D. [Piculus] minor L.), von nur 16 cm Länge, der wohl ausschließlich Kerbtiere frißt und am liebsten in Weiden brütet. In der Gefangenschaft ist auch er sehr unterhaltend. Der Elsterspecht (D. leuconotus Bechst.), 28 cm lang, am Unterrücken und Bürzel weiß, am Bauch rosenrot, schwarz gefleckt, auf der Schulter schwarz, auf den Flügeln mit sechs weißen Querbinden, bewohnt Nordwest- und Mitteleuropa bis Norditalien, die Türkei und Südrußland, Südsibirien bis Korea, findet sich in Deutschland vereinzelt als Jahresvogel, brütet im Mai. Der Grünspecht (Grasspecht. Picus viridis L.), 31 cm lang, 52 cm breit, ist auf der Oberseite hochgrün, auf der Unterseite hell graugrün, im Gesicht schwarz mit rotem (Männchen) Wangenfleck, am Oberkopf und Nacken rot, am Bürzel gelb, Ohrgegend, Kinn und Kehle weißlich, die Schwingen sind braunschwarz, gelblich oder bräunlichweiß gefleckt, die Steuerfedern grüngrau, schwärzlich gebändert. Er bewohnt Europa etwa bis zum 60. Breitengrad und Südwestasien, schweift im Winter weit umher, erscheint auch oft in Gärten, bewegt sich mehr und geschickter als die andern S. am Boden, hämmert auch weniger an Bäumen, sucht viele Würmer und Larven auf dem Boden, plündert Bienenstöcke, frißt auch zuweilen Vogelbeeren. Das Weibchen legt in der zweiten Hälfte des Aprils 6–8 weiße Eier (s. Abbildung auf Tafel »Eier I«, Fig. 4). Ihm gleicht in der Lebensweise der Grauspecht (P. canus viridicanus Wolf), der mit Ausnahme Großbritanniens Süd- und Mitteleuropa, Nordasien bis Japan und südlich bis Persien bewohnt, in Deutschland sich weniger als der Grünspecht aufhält und wie dieser von Jahr zu Jahr seltener wird. Er lebt besonders in Buchenwaldungen, nicht im Nadelholz, die Brutzeit währt von Mai bis Juni. – Der Specht ist in Sagen und Märchen vieler Völker Symbol der Heimlichkeit des Waldes, der Waldgräber, der aus Felsen und Bäumen allerlei geheime Kunst hervorholt und um allerlei verborgene Kunde und Schätze weiß. Der Schwarzspecht war dem Mars geweiht (regio pici bei Laurentum), und für die Auguren war der Specht (picus) einer der bedeutungsvollsten Vögel, der zur Elster (pica) in mancherlei Beziehungen stand. Der Specht kennt und hütet die Springwurz (das Adiantum oder die Saxifraga der Römer), und man verschafft sich diese, indem man dem Vogel den Eingang zum Nest verkeilt. Wenn er dann zur Abhilfe die Springwurz holt, kann man sie ihm durch List entreißen. Auch die Wunderblume, die den Zauberberg öffnet, steht mit dem Specht in Zusammenhang. Der baumspaltende Specht ist ein Bild des Blitzes, Indra erscheint als Specht, und auch bei den Römern ist der Specht der feuerbringende, brandstiftende Vogel im Zusammenhang mit dem Blitz. Vgl. Malherbe, Monographie des Picidés (Par. 1859, 4 Bde.); Sundevall, Conspectus avium Picinarum (Stockh. 1866); Altum, Unsre S. und ihre forstliche Bedeutung (Berl. 1878); Hohmeyer, Die S. und ihr Wert in forstlicher Beziehung (2. Aufl., Frankf. 1879); Marshall, Die S. (Leipz. 1889).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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