Scherr

Scherr

Scherr, Johannes, Schriftsteller, geb. 3. Okt. 1817 in Hohenrechberg bei Schwäbisch-Gmünd, gest. 21. Nov. 1886 in Zürich, besuchte das Gymnasium in Gmünd und die Universitäten in Zürich und Tübingen, wirkte dann eine Zeitlang als Lehrer und ließ sich 1843 in Stuttgart nieder. wo er 1844 mit der Schrift »Württemberg im Jahr 1844« den politischen Kampfplatz betrat, auf dem er sich in den nächsten Jahren als Vorkämpfer aller freiheitlichen Bestrebungen hervortat. 1848 wurde er in die württembergische Abgeordnetenkammer und in den Landesausschuß gewählt und stand während der Revolutionszeit an der Spitze der demokratischen Partei, weshalb er nach Auflösung der Kammer 1849 nach der Schweiz flüchtete. Er ließ sich zunächst in Winterthur nieder, wo er längere Zeit schriftstellerisch tätig lebte, bis er 1860 als Professor der Geschichte und Literatur an das eidgenössische Polytechnikum in Zürich berufen wurde. Außer einer Reihe von Romanen und Erzählungen (darunter: »Schiller«, Leipz. 1856; 3. Aufl. 1902, 2 Bde.; »Michel. Geschichte eines Deutschen unserer Zeit«, Prag 1858, 4 Bde.; 10. Aufl., Leipz. 1905, 2 Bde.; »Rosi Zurflüh«, Prag 1860; »Die Gekreuzigte«, St. Gallen 1860; 2. Aufl., Leipz. 1874) sowie einigen humoristischen Schriften veröffentlichte er: »Bildersaal der Weltliteratur« (Stuttg. 1848; 3. Aufl. 1884, 3 Bde.), woraus im Sonderdruck der »Bildersaal der deutschen Literatur« (1887) erschien; »Deutsche Kultur- und Sittengeschichte« (Leipz. 1852–53, 11. Aufl. 1902); »Allgemeine Geschichte der Literatur« (Stuttg. 1851; 10. Aufl. als »Illustrierte Geschichte der Weltliteratur«, das. 1900, 2 Bde.); »Geschichte der deutschen Literatur« (2. Aufl., Leipz. 1854); »Geschichte der englischen Literatur« (das. 1854, 3. Aufl. 1883); »Geschichte der Religion« (das. 1855 bis 1857, 2 Bde.; 2. Aufl. 1859); »Dichterkönige« (das. 1855; 2. Aufl. 1861, 2 Bde.); »Geschichte der deutschen Frauenwelt« (das. 1860; 5. Aufl. in 2 Bdn. 1898); »Schiller und seine Zeit« (illustrierte Quartausgabe, das. 1859, 3. Aufl. 1902; Volksausgabe, 4. Aufl. 1865); »Drei Hofgeschichten« (das. 1861, 3. Aufl. 1875); »Farrago« (das. 1870); »Dämonen« (das. 1871, 2. Aufl. 1878); »Blücher, seine Zeit und sein Leben« (das. 1862–63, 3 Bde.; 4. Aufl. 1887); »Studien« (das. 1865–66, 3 Bde.); »Achtundvierzig bis Einundfünfzig« (das. 1868–70, 2 Bde.; 2. Aufl. u. d. T.: »1848, ein weltgeschichtliches Drama«, das. 1875); »Aus der Sündflutzeit« (das. 1867); »Das Trauerspiel in Mexiko« (das. 1868); »Hammerschläge und Historien« (Zürich 1872, 3. Aufl. 1878; neue Folge 1878); »Sommertagebuch des weiland Dr. gastrosophiae Jeremia Sauerampfer« (das. 1873); »Goethes Jugend« (Leipz. 1874); »Menschliche Tragikomödie«, gesammelte Studien und Bilder (das. 1874, 3 Bde.; 3. Aufl. 1884, 12 Bde.); »Blätter im Winde« (das. 1875); »Größenwahn, vier Kapitel aus der Geschichte menschlicher Narrheit« (das. 1876); das Prachtwerk »Germania. Zwei Jahrtausende deutschen Lebens kulturgeschichtlich geschildert« (Stuttg. 1876–78, 6. Aufl. von H. Prutz, 1905); »1870–71. Vier Bücher deutscher Geschichte« (Leipz. 1878, 2 Bde.; 2. Aufl. 1880); »Das rote Quartal« (das. 1882); »Vom Zürichberg«, Skizzen (das. 1881); »Porkeles und Porkelessa« (Stuttg. 1882, 3. Aufl. 1886); »Haidekraut«, neues Skizzenbuch (Teschen 1883); »Neues Historienbuch« (Leipz. 1884); »Gestalten und Geschichten« (Stuttg. 1885); »Die Nihilisten« (u. Aufl., Leipz. 1885); »Letzte Gänge« (Stuttg. 1887). S. war ein vorzugsweise der eigentümlichen darstellenden und räsonierenden Weise Th. Carlyles nachgearteter Schriftsteller, von blitzender Lebendigkeit, begeistert oder maßlos in seinen Abneigungen, von schneidiger Schärfe und gelegentlich körnigster Grobheit, in seinen letztern Schriften jedoch allzusehr der Kopist seiner eignen Manier. Ein Teil seiner Erzählungen erschien gesammelt als »Novellenbuch« (Leipz. 1873–77, 10 Bde.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Игры ⚽ Поможем написать курсовую

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Scherr — ist der Familienname folgender Personen: Albert Scherr (* 1958), deutscher Soziologe und Sozialwissenschaftler Gregor von Scherr (1804–1877), deutscher Benediktinerabt und Erzbischof Johannes Scherr (1817–1886), deutscher Kulturhistoriker… …   Deutsch Wikipedia

  • Scherr — Scherr, 1) Thomas, geb. 15. Dec. 1801 zu Hohenrechberg in Württemberg, widmete sich dem Lehrerberuf u. zwar vorzugsweise der Bildung der Taubstummen u. Blinden, wurde 1821 Adjunct des Directors am Taubstummen u. Blindeninstitut in Schwäbisch… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Scherr — Scherr, Johs., Kultur und Literarhistoriker und Novellist, geb. 3. Okt. 1817 auf Hohenrechberg, 1848 49 ein Führer der demokrat. Partei in Württemberg, gest. 21. Nov. 1886 als Prof. am Polytechnikum zu Zürich; schrieb: »Allgemeine Geschichte der… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Scherr — Scherr, Thomas, geb. 1801 zu Rechberg in Württemberg, Schulmann, war zuerst bei dem Blinden und Taubstummeninstitut zu Gmünd angestellt, wurde 1825 an das zu Zürich berufen und, nachdem er Protestant geworden, 1831 Mitglied des Erziehungsraths u …   Herders Conversations-Lexikon

  • Scherr, West Virginia — Scherr is an unincorporated community in Grant County, West Virginia, USA. Scherr lies to the west of the community of Greenland at the crossroads of West Virginia Route 42 and West Virginia Route 93. External links …   Wikipedia

  • Scherr — Scheer (1.) …   Wörterbuch der deutschen familiennamen

  • Douglas Scherr — Douglas S. Scherr, M.D. (born: January 7, 1967) is an American surgeon and specialist in Urologic Oncology. He is currently the Clinical Director of Urologic Oncology at the Weill Medical College of Cornell University in New York City. He also… …   Wikipedia

  • Ignaz Thomas Scherr — Thomas Scherr Ignaz Thomas Scherr (* 15. Dezember 1801 in Rechberg; † 10. März 1870 in Zürich) war ein Schweizer Pädagoge, Pionier des Zürcher Volksschulwesens und Verfasser zahlreicher Lehrbücher und pädagogischer Schriften …   Deutsch Wikipedia

  • Thomas Scherr — Vorlage:Coordinate/Wartung/Schule Kantonsschule Küsnacht Das Hauptgebäude neben der Kirche Schultyp Kantonsschule (Gymnasium) Gründung …   Deutsch Wikipedia

  • Max Scherr — (March 12, 1916–October 31, 1981) was an American underground newspaper editor and publisher known for his iconoclastic 1960s weekly, the Berkeley Barb. Max Scherr was born in Baltimore, Maryland on March 12, 1916 in a Jewish household. His… …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”