Schanstaaten

Schanstaaten

Schanstaaten, die von der Völkergruppe der Schau (s. d.) bewohnten kleinen Staaten im nördlichen Hinterindien, gehören politisch teils zu Britisch-Indien (Birma), teils zu China (Yünnan), die Aufteilung ist durch Vertrag vom September 1896 geregelt worden. Die einzelnen S. werden nach den Hauptorten benannt und stehen unter einem Häuptling mit erblicher Würde (Tsaubwa) mit einem Stab von Beamten; die Gemeinden wählen ihre Obrigkeit (Tamon) selbst. Die chinesischen S., die sich, aus zwölf Staaten bestehend, zwischen englischen und französischen Besitz einschieben und ziemlich ungeordnete Verhältnisse aufweisen, sind von F. W. CareyGeographical Journal«, Bd. 14, London 1899) geschildert worden; ihr Haupterzeugnis ist Tee. Die unter britischem Schutz stehenden, in nördliche und südliche S. geschiedenen Staaten, die den östlichen Teil von Oberbirma bilden, sind 176,547 qkm groß mit (1901) 1,237,749 Einw. Sie bilden ein Dreieck, dessen Spitze am Mekong und dessen Grundlinie in der Ebene von Birma liegt, gegen welche die Schanberge die Grenze bilden. Das Gebiet ist ein Hochland, das zwischen den fächerartig auseinanderstrebenden, aus Tibet kommenden Gebirgsketten zwischen Salwen und Irawaddi gebildet wird (Loiling 2697 m). Die Wasserscheide wird nach Süden immer mehr verwischt. Der östlich vom Salwen gelegene Teil ist ein regelloses Bergland. Die Wintermonate sind kühl; im Sommer erreicht die Temperatur 32°, in den engen Flußtälern über 38°. Schnee fällt selbst auf den höchsten Gipfeln selten, doch ist in den Tälern (Reisbau) Reif häufig. Die Regenzeit (jährlich 1500–2500 mm) beginnt im Mai und steigert sich bis zum August. Im N. und Süden kommt eine tertiäre Kohle von geringem Wert vor. Die britische Schutzherrschaft wurde 1887 errichtet. – Unterm 1. März 1894 erkannte England China gegenüber die beiden S. Meung-lem und Kyeng-hung als in chinesischer Interessensphäre liegend an. Als aber China Teile dieses Gebiets an Frankreich abtrat, wurde 4. Febr. 1897 jenes Abkommen entsprechend ergänzt. Bei der neuen Grenzziehung (November 1897 bis Mai 1900) wurde der Rest der einst mächtigen Mon-Anam-Völkergruppe, der Stamm der Wa, unter englischen Einfluß gebracht. Vgl. Colquhoun, Amongst the Shans (Lond. 1885), und namentlich Scott und Hardiman, Gazetteer of Upper-Birma and the Shan-States (Rangoon 1900–01, 2 Bde.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Schanstaaten — Schanstaaten, Staatengebilde der mongol. Schanstämme in Hinterindien, zwischen Siam, Tongking, Birma und Jün nan, zwischen England, Frankreich und Jün nan geteilt, etwa 46.000 qkm, 5 Mill. E. – Vgl. Colquhoun (engl., 1885), Hallett (engl., 1890) …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Asien — (hierzu zwei Karten: »Asien, Fluß und Gebirgssysteme« und »Politische Übersicht«), der größte, höchste und nach seiner geschichtlichen Entwickelung älteste Erdteil. Der Name stammt von dem assyrischen »Aszu« = Aufgang (der Sonne), im Gegensatze… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Ostindien — (hierzu Karte »Ostindien«), die Halbinseln Vorder und Hinterindien mit den Inseln des Indischen Ozeans, von den Lakkadiven bis zu den Philippinen; im engern Sinne das Britisch indische Kaiserreich (Indobritisches, Angloindisches Reich), auch kurz …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schan [2] — Schan (mit einheimischem Namen Thai), die am meisten ausgebreitete Gruppe der hinterindischen Volksstämme, deren Sitze sich von Assam im W. bis zur chinesischen Provinz Kwangsi im O. und von Bangkok im Süden bis in die chinesische Provinz Yünnan… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Siam — (wahrscheinlich = Schan, ferner Sayam Thai, Muong Thai, »Land der Freien«), Reich in Hinterindien (s. Karten »Französisch Indochina« und »Hinterindien«), zwischen 4 und 203/4° nördl. Br. und 971/2 106° östl. L., begrenzt durch das britische… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Maykaung — (Mekhaong, Meicon), einer der vier Hauptströme Hinderindiens, in seinem oberen u. mittleren Laufe noch völlig unbekannt, durchströmt dann die Gebiete der verschiedenen Schanstaaten (s. Laos), tritt hierauf in die Provinz Cambodscha u. fällt in… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Birma — (Burma, Barma oder Reich der Mranma, einheimischer Name, früher auch Reich von Ava), Provinz des britisch ind. Reiches in Hinterindien (s. Karte »Hinterindien«), begrenzt von Assam, Bengalen und der Bai von Bengalen im W., dem Meerbusen von Pegu… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Orléans [4] — Orléans, 1) Jean Baptiste Gaston, Herzog von, geb. 25. April 1608 in Fontainebleau als Sohn König Heinrichs IV. und der Maria de Medici, gest. 2. Febr. 1660, talentvoll, aber von schwachem, ja kläglichem Charakter, nahm an allen Ränken und… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Salwen — (Saluen), Fluß in Hinterindien, entspringt wahrscheinlich unter 321/2° nördl. Br., 92° östl. L. auf dem Hochlande von Tibet, am Tanglagebirge als Naptschu oder Nagtschu, fließt in östlicher Richtung, dann, unter 29°, 99° nach S. umbiegend, als… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Tongking — (franz. Tonkin), franz. Kolonie in Hinterindien, ein Teil von Französisch Indochina (s. d.), begrenzt im N. von den chinesischen Provinzen Kwangsi und Yünnan, im W. von den britischen Schanstaaten und Siam, im S. von Anam, im O. vom Golf von T.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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