Mailehen

Mailehen

Mailehen (Maibrautschaft), die in Hessen, Westfalen, Rheinland und andern deutschen Gegenden bestehende oder bis vor kurzem vorhandene Sitte, nach der die jungen Leute in der Walpurgisnacht mit Gesang und Peitschengeknall nach einer Anhöhe vor das Dorf ziehen, wo die jungen Mädchen (manchmal bei einem Maifeuer) mit dem Spruche: »Heute zum Lehen, übers Jahr zur Ehe« an den Meistbietenden versteigert werden. Das erlöste Geld wird im Wirtshause beim Maifest verzehrt. Das erwählte Mädchen (Maibraut) kann den Meistbietenden ablehnen, nimmt sie ihn aber an und befestigt dafür als Zeichen den Lehnstrauß auf seinem Hute, so erwächst für beide Teile die Verpflichtung, das ganze Jahr zusammenzugehen und mit keinem oder keiner Dritten zu tanzen. Für den Burschen kommen noch andre Pflichten hinzu, z. B. das Setzen des Maibaums vor dem Kammerfenster u. a. Gewöhnlich führt das M. in der Tat nach einem Jahre zur Heirat. Ähnlich ist der Gebrauch des Valentinstags in England, und auch sonst heißt das Maipaar Valentin und Valentine (vgl. Vielliebchen). Herodot (I, 146) bezeugt die Sitte für die illyrischen Veneter, mit der Bemerkung, daß mit dem Meistgebot für die schönen die häßlichen Mädchen ausgesteuert würden, um ebenfalls begehrenswert zu erscheinen.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Mailehen — Mai|le|hen 〈n. 14; früher〉 Brauch, beim Maifest die Mädchen zu versteigern (u. für das Geld im Wirtshaus zu feiern) * * * Mailehen,   ein besonders im mittel und niederdeutschen Westen beliebter, teils am Sonntag Lätare, teils am 1. Mai geübter… …   Universal-Lexikon

  • Mailehen — Seit dem Mittelalter zählt es zum deutschen Maibrauchtum, dass das schönste Mädchen einer Gegend zur Maikönigin (regional auch Maibraut oder Maigräfin) erkoren und nach der Krönung auf dem Maifest zur Versteigerung feilgeboten wurde (in Franken… …   Deutsch Wikipedia

  • Maibraut — Seit dem Mittelalter zählt es zum deutschen Maibrauchtum, dass das schönste Mädchen einer Gegend zur Maikönigin (regional auch Maibraut oder Maigräfin) erkoren und nach der Krönung auf dem Maifest zur Versteigerung feilgeboten wurde (in Franken… …   Deutsch Wikipedia

  • Maigräfin — Seit dem Mittelalter zählt es zum deutschen Maibrauchtum, dass das schönste Mädchen einer Gegend zur Maikönigin (regional auch Maibraut oder Maigräfin) erkoren und nach der Krönung auf dem Maifest zur Versteigerung feilgeboten wurde (in Franken… …   Deutsch Wikipedia

  • Maikönig — Seit dem Mittelalter zählt es zum deutschen Maibrauchtum, dass das schönste Mädchen einer Gegend zur Maikönigin (regional auch Maibraut oder Maigräfin) erkoren und nach der Krönung auf dem Maifest zur Versteigerung feilgeboten wurde (in Franken… …   Deutsch Wikipedia

  • Maikönigin — Seit dem Mittelalter zählt es zum deutschen Maibrauchtum, dass das schönste Mädchen einer Gegend zur Maikönigin (regional auch Maibraut oder Maigräfin) erkoren und nach der Krönung auf dem Maifest zur Versteigerung feilgeboten wurde (in Franken… …   Deutsch Wikipedia

  • Mailiene — Seit dem Mittelalter zählt es zum deutschen Maibrauchtum, dass das schönste Mädchen einer Gegend zur Maikönigin (regional auch Maibraut oder Maigräfin) erkoren und nach der Krönung auf dem Maifest zur Versteigerung feilgeboten wurde (in Franken… …   Deutsch Wikipedia

  • Brautschau — Brautschau, der Gang oder die Reise, die ein heiratslustiger Mann macht, um das zu seiner Gattin begehrte oder bestimmte Mädchen kennen zu lernen, wobei ihm hier und da durch die Art der vorgesetzten Gerichte angedeutet wird, ob seine Werbung… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Frauenkauf — (Brautkauf), die den Anschauungen fortgeschrittener Völker fremdartige Sitte der Naturvölker, die Braut ihren Eltern gegen einen vereinbarten, meist in Haustieren bezahlten Preis abzukaufen. Die Frau wird dadurch zur bloßen Ware (Sklavin) und zum …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Maibraut — Maibraut, Maibrautschaft, s. Mailehen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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