Madūrafuß

Madūrafuß

Madūrafuß (ostindisch Perical, »Dickfuß«, engl. Fungus foot of India), eine nur in Hindostan an Ein gebornen beobachtete Krankheit, die im westlichen und nordwestlichen Teil Indiens besonders in einer meist den Fuß befallenden hellen, gelblichen Form, in Bengalen hauptsächlich in einer dunkeln, vorzugsweise an den Händen auftretenden Form vorkommt. Nachdem Goodfrey in Madras (1846) zuerst die charakteristische Beschreibung des Leidens gegeben, untersuchte es Carter 1874 näher, bezeichnete es als Mycetoma und unterschied die obigen Formen. Berkeley bezeichnete einen in dem erkrankten Gewebe gefundenen Pilz als Chionyphe Carteri. Es handelt sich beim M. entweder um echte Aktinomykose oder um eine Abart derselben. Der befallene Fuß vergrößert sich und zeigt zahlreiche, in die Tiefe führende Geschwürsöffnungen, aus denen das gleich zu erwähnende Sekret heraustritt. Ebenso wird die Hand im Erkrankungsfalle verdickt und infolge Zerstörung der Handwurzel- und Mittelhandknochen verkürzt, während ihre Funktion beeinträchtigt und zuletzt aufgehoben ist; dabei sind die Knochen so weich, daß man sie schneiden kann. Im Innern findet man durch gewundene Gänge verbundene, nach außen sich öffnende Höhlen, aus denen bei der hellen Form hirsekorngroße, fischrogenähnliche, rötlichgelbe oder weiße, in eine zähe, eiweißartige Masse eingebettete Körper sich entleeren. Bei der dunkeln Form enthalten Höhlen und Gänge schwarze oder doch dunkelbraune, bald lockerer, bald fester eingebettete Gebilde, die die Größe einer kleinen Orange erreichen können, auf dem Durchschnitt ein helleres Zentrum und einen strahligen Bau zeigen. Zuerst entwickeln sich diese Fremdkörper im Fettgewebe, dringen dann aber auch in die Knochen ein, die sie zerstören. Das Leiden entsteht ohne wesentliche Schmerzhaftigkeit, indem an Hand oder Fuß ein harter Knoten sich bildet, der mit der Zeit ausbricht, und dem andre folgen. Durch Bruch der Knochen, Verdickung der Gewebe entsteht die Mißgestalt der befallenen Extremität, die nicht nur unbrauchbar wird, sondern auch ihrem Träger zur Last ist. Man hat das Leiden 15, ja 26 und 30 Jahre dauern sehen. Jede andre Behandlung als die Amputation des befallenen Gliedes erwies sich als vergeblich. Vgl. Scheube, Die Krankheiten der warmen Länder (3. Aufl., Jena 1903).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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