Landois

Landois

Landois (spr. langdūa), 1) Hermann, Zoolog, geb. 19. April 1835 in Münster, gest. daselbst 29. Jan. 1905, studierte in Münster Theologie und Naturwissenschaft, ward 1859 zum Priester geweiht und wurde 1862 Lehrer an der Ackerbauschule in Botzlar (Kreis Lüdinghausen) und 1865 am Gymnasium in Münster. Er habilitierte sich 1869 als Dozent an der dortigen Akademie und ward 1873 Professor der Zoologie und Vorsteher des zoologischen und anatomischen Museums der Akademie. Als der freiern Richtung angehörender Naturforscher sagte er sich vollständig von seiner geistlichen Behörde los. Er lieferte zahlreiche Abhandlungen über die mikroskopische Anatomie der Insekten und vortreffliche zoologische Präparate für den Unterricht. 1871 stiftete er den Westfälischen Verein für Vogelschutz, Geflügel- und Singvögelzucht, und 1874 gründete er den westfälischen zoologischen Garten in Münster zur Schaustellung und wissenschaftlichen Erforschung europäischer Tiere. Er schrieb: »Lehrbuch der Zoologie« (mit Altum, Freiburg 1870, 5. Aufl. 1883); »Tierstimmen« (das. 1875); »Ton- und Stimmapparate der Insekten« (Leipz. 1867); »Der Mensch und die drei Reiche der Natur« (mit Kraß, 3 Tle., Freiburg) und »Lehrbuch für den Unterricht in der Naturbeschreibung« (das., beide mehrfach aufgelegt); »Westfalens Tierleben in Wort und Bild« (Paderb. 1884–92, 3 Bde.); »Das Studium der Zoologie mit besonderer Rücksicht auf das Zeichnen der Tierformen« (Freiburg 1905); ferner: »Annette Freiin von Droste-Hülshoff als Naturforscherin« (das. 1890) und im münsterschen Dialekt den komischen Roman: »Frans Essink, sien Liäwen un Driewen« in 5 Abteilungen (1874–1900; 1. Teil in 9. Aufl., Leipz. 1902; 2. Teil in 8. Aufl. 1890).

2) Leonard, Physiolog, Bruder des vorigen, geb. 1. Dez. 1837 in Münster, gest. 17. Nov. 1902 in Greifswald, studierte seit 1857 in Greifswald, habilitierte sich 1863 daselbst für Physiologie, wurde 1868 außerordentlicher, 1872 ordentlicher Professor der Physiologie und Direktor des physiologischen Instituts. Unter seinen Arbeiten ist besonders hervorzuheben: »Die Lehre vom Arterienpuls« (Berl. 1872), durch die er, auf eigne Untersuchungen gestützt, die graphische Methode vervollkommte und zu ihrer Verbreitung in Deutschland am nachhaltigsten wirkte. Seine Arbeiten über »Die Transfusion des Blutes« (Leipz. 1875) und »Beiträge zur Transfusion des Blutes« (das. 1878) stellen die Grenzen der Wirkungen dieser Operation fest und liefern den Beweis von der Schädlichkeit der Tierbluttransfusion beim Menschen. In der Schrift »Die Urämie« (Wien 1889, 2. Aufl. 1891) zeigt er, daß die durch verhinderte Harnausscheidung erzeugten Krämpfe durch Reizung der Großhirnrinde seitens der zurückgehaltenen Harnbestandteile entstehen. Von seinen vergleichend-anatomischen Schriften beziehen sich die wichtigsten auf die Untersuchung menschlicher Parasiten. Er schrieb noch: »Graphische Untersuchungen über den Herzschlag« (Berl. 1876) und »Lehrbuch der Physiologie« (Wien 1880, 11. Aufl. von Rosemann, 1905).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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