Duncker

Duncker

Duncker, 1) Karl Friedrich Wilhelm, Buchhändler, geb. 25. März 1781 in Berlin, gest. 15. Juli 1869, begründete 1809 in Berlin mit Peter Humblot (geb. 13. März 1779 in Berlin, geb. 11. Dez. 1828) durch Ankauf der Buchhandlung von Heinr. Frölich die Verlagsbuchhandlung D. u. Humblot, die 1828 an ihn allein überging, und 1866 in den Besitz von Karl Geibel sen. in Leipzig (geb. 26. Aug. 1806 in Halle, gest. 6. Okt. 1884 in Achern) und dessen Sohn Karl Geibel (geb. 19. Mai 1842 in Budapest) kam. Teilhaber sind: seit 1899 Otto Karl Alex. Geibel (geb. 1874) und seit 1901 Friedrich Karl Geibel (geb. 1873). Der umfangreiche Verlag zeichnet sich besonders auf dem Gebiete der Geschichte (Rankes sämtliche Werke, »Jahrbücher der deutschen Geschichte«, »Allgemeine deutsche Biographie« etc.), der Rechts- und Staatswissenschaften und auf sozialpolitischem Gebiet (»Schriften des Vereins für Sozialpolitik«) aus. – Das mit der Firma verbundene Sortimentsgeschäft wurde schon 1837 an Karl Dunckers Sohn Alexander, geb. 8. Febr. 1813, gest. 23. Aug. 1897 in Berlin, abgetreten, der, 1841 zum königlichen Hofbuchhändler ernannt und selbst schriftstellerisch tätig (»Abseits vom Wege, Gedichte eines Laien«, anonym, 2. Aufl., Berl. 1878; Novellen u.a.), in der Folge auch eine rege Verlagstätigkeit auf belletristischem Gebiet (Werke von Geibel, Heyse, Putlitz, Storm) und im Kunstverlag (28 Stiche nach Kaulbachs Wandgemälden u.a.) entfaltete. Der Buchverlag von Alexander D. ging 1870 größtenteils an Gebrüder Paetel in Berlin, die Firma »Alexander D.« 1898 an Artur Glaue in Berlin über. Einige von Karl D. 1866 nicht mitverkaufte Verlagsartikel kamen 1889 mit der Firma »Karl Dunckers Verlag« in den Besitz von Heinr. Kornfeld in Berlin. – Alexanders Tochter Dora, geb. 28. März 1855, machte sich ebenfalls als Schriftstellerin bekannt; sie schrieb: »Moderne Meister. Charakterstudien aus Kunst und Leben« (Berl. 1883), die Romane: »Morsch im Korn« (das. 1889), »Unheilbar« (Stuttg. 1893), Humoresken, mehrere Schau- und LustspieleSphinx«, »Sylvia«, »Ruth«), auch eine Anzahl Jugendschriften u.a.

2) Maximilian Wolfgang, Geschichtschreiber, geb. 15. Okt. 1811 in Berlin, gest. 21. Juli 1886 in Ansbach, Sohn des Buchhändlers Karl D. (s. oben), studierte in Bonn und Berlin, ward wegen Teilnahme an der Burschenschaft zu sechsjähriger Festungsstrafe verurteilt, aber entlassen und habilitierte sich Ostern 1839 in Halle. Im Oktober 1842 wurde er außerordentlicher Professor und wirkte seit April 1843 als Mitredakteur der Halleschen »Allgemeinen Literaturzeitung«. Als Mitglied der deutschen Nationalversammlung 1848 gehörte er dem rechten Zentrum, im Erfurter Volkshaus und in den drei Sessionen der preußischen Kammern in Berlin seit August 1849 den Altliberalen an. Von Juni bis Oktober 1850 suchte er von Kiel und Rendsburg aus die Unterstützung der Herzogtümer mit Geld und Mannschaft zu betreiben. Aus dieser Zeit rühren seine Gelegenheitsschriften: »Heinrich von Gagern« (Leipz. 1850) und »Vier Monate auswärtiger Politik« (Berl. 1851) her. 1857 folgte er einem Ruf nach Tübingen, ward aber schon 1859 als Geheimer Regierungsrat ins Staatsministerium nach Berlin berufen und 1861–66 mit dem Amt eines vortragenden Rates für Politik beim Kronprinzen betraut. Im Sommer 1866 war er bei der Besitzergreifung Kurhessens kurze Zeit kommissarisch tätig und wirkte 1867–74 als Direktor der preußischen Staatsarchive. Er lehrte darauf noch an der Kriegsakademie Geschichte und wurde 1884 zum brandenburgischen Historiographen ernannt. Von seinen literarischen Arbeiten sind zu erwähnen: »Origines germanicae« (Berl. 1840); »Die Krisis der Reformation« (Leipz. 1845); »Zur Geschichte der deutschen Reichsversammlung« (Berl. 1849); »Feudalität und Aristokratie« (das. 1858); »Aus der Zeit Friedrichs d. Gr. und Friedrich Wilhelms III., Abhandlungen zur preußischen Geschichte« (Leipz. 1876) und sein Hauptwerk: »Geschichte des Altertums« (das. 1852–1857, 4 Bde.; 5. Aufl. 1878–83, 7 Bde.; neue Folge 1884–86, 2 Bde.), eine ausgezeichnete, ebenso gründliche wie geschmackvolle Darstellung der orientalischen und der griechischen Geschichte. Nach seinem Tod erschienen: »Abhandlungen aus der griechischen Geschichte« (Leipz. 1887) und »Abhandlungen aus der neuern Geschichte« (das. 1887). Vgl. Brode, Max D., ein Gedenkblatt (Berl. 1887); Haym, Das Leben Mar Dunckers (das. 1891).

3) Franz Gustav, Politiker, Bruder des vorigen, geb. 4. Juni 1822 in Berlin, gest. daselbst 18. Juni 1888, studierte Philosophie u. Geschichte in Berlin und widmete sich dem Buchhandel, beteiligte sich 1848 an der politischen Bewegung, kaufte 1853 die Bernsteinsche »Urwählerzeitung«, ließ sie u. d. T. »Volkszeitung« in erweiterter Gestalt erscheinen und erh ob sie zu einem einflußreichen Organ der liberalen Opposition. 1859 beteiligte er sich an den sogen. Eisenacher Beschlüssen, war in Frankfurt bei der Gründung des Deutschen Nationalvereins tätig und wurde in dessen Ausschuß gewählt. 1861, als der preußische Verfassungsstreit begann, war er Mitgründer der deutschen Fortschrittspartei und blieb derselben auch 1866 treu. Er wurde in den konstituierenden und ordentlichen norddeutschen, später in den deutschen Reichstag gewählt, leitete seit 1865 den Berliner Handwerkerverein und gründete 1869 mit Schulze-Delitzsch und Max Hirsch die deutschen (Hirsch-Dunckerschen) Gewerkvereine. 1877 verkaufte er seine Buchhandlung aus ökonomischen Rücksichten und schied aus dem Reichstag und Abgeordnetenhaus aus. Vgl. »Franz D., Lebensbild eines Volksfreundes« (Leipz. 1889).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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