Cocos

Cocos

Cocos L. (Kokospalme, Kokosnuß), Gattung der Palmen, hohe oder mittelhohe Bäume, auch stammlose Arten mit glattem, geringeltem oder mit den bleibenden Blattstielbasen schuppig besetztem Stamm, gefiederten Blättern mit linienförmigen Segmenten, in den Achsen der untern Blätter stehenden, einfach verzweigten Blütenkolben mit kahnförmiger Holzscheide und gelben männlichen und grünen weiblichen Blüten, elliptischen oder eiförmigen, einsamigen Früchten mit dicker, faseriger Hülle, knochenhartem, an der Basis dreiporigem Stein und hohlem Samen. Die Portugiesen erblickten eine gewisse Ähnlichkeit zwischen der Basis einer Kokosnuß mit den drei Löchern und dem Kopf eines Affen (Cocos, Coquin) und nannten danach den Baum Coqueiro. Die artenreiche Gattung ist hauptsächlich in Brasilien (mit 30 Arten) vertreten, einige Arten finden sich in Nordargentinien, Ostbolivia, Columbia und auf den Antillen. Sehr viel wetter verbreitet ist C. nucifera L. (gemeine oder echle Kokospalme, s. Tafel »Fett und Öl liefernde Pflanzen«, Fig. 5). Sie wächst am üppigsten in der Nähe des Meeres, doch gedeiht sie auch im Binnenland, weit entfernt von der Küste. Das Zentrum ihres Verbreitungsbezirkes sind die Inseln und Küsten des Indischen und Stillen Ozeans. Wo sie die Wendekreise überschreitet, verliert sie an Schönheit und Ergiebigkeit, wie z. B. auf den Sandwichinseln. Am schönsten gedeiht sie zwischen 15° nördl. und 12° südl. Br. Unter dem Äquator steigt sie bis zu einer Höhe von 1200 m ü. M. empor. Den reichsten Ertrag an Früchten liefert sie auf den Sundainseln, den Philippinen, Karolinen, Marianen und Lakadiven. An der Westküste von Afrika reicht sie vom 6.° nördl. bis 16.° südl. Br., während sie auf Madagaskar noch unter 25° vorkommt. In den westlich von Indien gelegenen z'ändern Asiens wächst sie nicht; an der Westseite von Vorderindien findet sie sich bis etwa 22° nördl. Br., im Innern bis 25° (bei Patna); an der Küste des Bengalischen Meerbusens gedeiht sie überall und selbst noch in China bis 25° nördl. Br. Die nördlichste Grenze ihres Gedeihens scheinen die südlichsten Bonininseln zu bilden; die südlichste bezeichnet Pitcairn unter 25° südl. Br. in Australien, so daß sie über eine Zone von 51° verbreitet ist. In Amerika findet sie sich auf der Westküste zwischen 18° nördl. und 18° südl. Br., auf der Ostküste zwischen 24° nördl. und 27° südl. Br. Über die Heimat der Kokospalme weiß man nichts Bestimmtes; in Mittel- und einzelnen Teilen Südamerikas war die Kokospalme im Anfang des 16. Jahrh. weit verbreitet. Ohne Zweifel haben die Spanier viel zur Verbreitung der Palme beigetragen. Nach Polynesien und Indo-Malaiien muß sie in prähistorischer Zeit gelangt sein, nach Ceylon später. Auf kurze Entfernungen gelangte sie wohl durch die Meeresströmungen, auf weite kaum, da die Keimfähigkeit schnell verloren geht. Die keimende Pflanze bedarf der Pflege, und die Kokosnuß fehlt daher überall, wo die Bevölkerung Nutzpflanzen nicht kultiviert. Die faserige Hülle der Kokosnuß (Roya, Coir, Kokosfaser, s.d.) wird in Europa und Nordamerika auf Bürsten, Tauwerk, Matten, Treibriemen etc. verarbeitet. Die sehr harte Schale der Steinfrucht dient zu Gefäßen; sie läßt sich drechseln und polieren und wird zu kleinen Kunstgegenständen verarbeitet. Verkohlt benutzt man sie zu Zahnpulver. Die Blätter dienen zum Decken der Dächer; auch werden Vorhänge, Teppiche, Matten, Körbe, Schirme etc. daraus bereitet. Sonst spielten sie eine Rolle in den religiösen Zeremonien der Tahitier und waren ein Sinnbild obrigkeitlicher Würde. Das wie Haselnuß schmeckende junge Mark unter der Endknospe (Palmhirn) wird wie die jungen, zarten Blätter (Palmkohl) genossen. Aus den Blütenscheiden sowie aus alten Blättern bereitet man Fackeln ähnlich wie aus abgestorbenen Kakteen. Die Asche der Blätter liefert Pottasche. Aus dem Netzwerk am Grunde der Blätter fertigt man Durchschläge und Kleidungsstücke, die im Wasser sehr haltbar sind und daher besonders von Fischern getragen werden. Alte Palmen liefern Nutzholz (Stachelschwein- oder Palmyraholz). Die Rinde dient in Indien zum Gerben, ein aus der Rinde gewonnenes Gummi zum Einsalben der Haare. Aus den Blütenkolben gewinnt man vor dem Aufbrechen der Blüten Toddy, der, eingekocht, Palmzucker (Jaggery) und durch Gärung Palmwein (s.d.) liefert. Aus dem gegornen Safte destilliert man Arrak; sauer gewordener Palmwein wird als Essig benutzt. Amerikanische Völker und Polynesier kauen die Wurzel, übergießen sie mit Wasser und lassen sie gären, um ein geistiges Getränk zu gewinnen. Man zieht die Kokospalme aus der Frucht, die in etwa 18 Tagen keimt, wobei der Keim in Gestalt eines kleinen Elefantenzahnes hervorkommt. Er ist von süßem Geschmack und gilt roh oder geröstet als Leckerbissen. Vgl. Cook, Origin and distribution of the Cocoa palm (in »The contributions to the U. S. National Herbarium«, VII, Nr. 2).

C. butyracea L. (Königspalme), ein majestätischer Baum in Neugranada und Venezuela, liefert Kokosöl, Palmwein, Bau- und Werkholz. C. guinensis Jacq., ein 4 m hoher Baum mit nur 2,5 cm im Durchmesser halten dem Stamm, wächst namentlich auf Tobago, von wo die Stämme als Spazierstöcke (Tobagorohre) besonders nach Frankreich ausgeführt werden. C. aculeata Jacq. (Makawbaum, Makasebapalme), in Westindien, Guayana und Brasilien, liefert eßbare Früchte und ein sehr wohlriechendes Palmöl, das zu Toilettenseifen und arzneilich benutzt wird. Von C. vinifera Örst., in Nicaragua und Costarica, geben die Früchte ebenfalls Öl, während der Stamm einen Zuckersaft enthält, aus dem eine Art Wein (Cogelwein) bereitet wird. C. coronata Mart., in Brasilien, enthält ein Mark, aus dem die Eingebornen Brot backen, und eine Nuß, aus der Öl gepreßt wird. Einige Arten werden bei uns in Gewächshäusern kultiviert, und C. flexuosa Mart., in Brasilien und weit südlich, C. Romanzoffiana Cham., im außertropischen Brasilien, C. australis Mart., von Brasilien bis Uruguay und den La Plata-Staaten (sehr hart), und C. Weddelliana hort., letztere mit sehr schmalen Fiederblättchen, sind vorzügliche Zimmerpflanzen.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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