Oxford [3]

Oxford [3]

Oxford, 1) Stadt (city) und Grafschaft im südlichen England, in lieblicher Gegend, an der Mündung des Cherwell in die Themse, mit (1901) 49,336 Einw. O. ist eine der ältesten Städte Englands und bewahrt mit ihren zahlreichen von Wiesen u. Bäumen umgebenen Colleges noch ganz den Charakter einer mittelalterlichen Stadt. Die alte, von Robert d'Oilgi 1071 erbaute Burg ist bis auf wenige Spuren verschwunden, aber die alten Stadtmauern aus dem 11. Jahrh. lassen sich noch teilweise verfolgen. Seinen Ruf verdankt O. der Universität, der größten und ältesten Hochschule in England. Hier und in Cambridge erhalten auch heute noch fast alle spätern Leiter der Geschicke Großbritanniens ihre Vorbildung.

Wappen von Oxford.
Wappen von Oxford.

Dafür, daß die Stadt schon unter Alfred d. Gr. der Sitz einer blühenden Gelehrtenschule war, gibt es nicht den geringsten Beweis; als Universitas literaria im eigentlichen Sinn erscheint sie jedoch bereits im 12. und 13. Jahrh., wo sie sich eines sehr zahlreichen Besuchs erfreute. Ganz wie in Cambridge (s. d. 1), besteht die Universität aus den Mitgliedern der meist aus den ältern Hostels (Bursae) hervorgegangenen 21 Colleges und 5 Halls, von denen indes nur erstere die Rechte von Korporationen genießen. Dazu kommen seit 1868 einige (203) »unattachierte« (non adscripti) Studenten. Wie in Cambridge, hat jedes dieser unter einem Vorsteher (Warden, Master, Provost, Rector, President, Dean oder Principal) stehenden Colleges seine Fellows, Graduates und Undergraduates oder Studenten zu Mitgliedern. Die früher allgemein übliche Einteilung der Studenten in Adlige, Fellow-Commoners, Commoners und Servitors (den Sizars in Cambridge entsprechend) wird in den vornehmsten Anstalten kaum noch anerkannt. In dieser Art besteht die Universität (1906) aus etwa 13,000 Mitgliedern, einschließlich der 3648 Studenten. Oberste Universitätsbehörde ist das House of Convocation (6528 Mitglieder), zu dem alle Magistri Artium gehören (deren Namen »on the books of the university« sind), und die durch Zahlung eines geringen jährlichen Beitrags ihre Verbindung mit der Universität aufrechterhalten und sich dadurch ihr Stimmrecht bewahren, das den Kanzler, die beiden Parlamentsmitglieder und mehrere der Professoren ernennt, das Patronatsrecht bei Besetzung der Pfründen ausübt und ohne dessen Einwilligung kein von der Congregation gebilligter Gesetzesentwurf Gesetzeskraft erhält.

Plan von Oxford mit den Universitätsgebäuden.
Plan von Oxford mit den Universitätsgebäuden.

Die Congregation (515 Mitglieder) wird gebildet aus den in O. wohnenden (resident) Masters of Arts, und ihre Tätigkeit beschränkt sich fast ausschließlich auf Erörterung, Bestätigung oder Verwerfung der von der höchsten Behörde der Universität, dem Hebdomadal Council (Wochenrat), gemachten Gesetzesvorlagen. Dieser Rat besteht außer dem Kanzler, dem Vizekanzler und den Proctors aus 6 Vorständen von Colleges, 6 Professoren und 6 andern Mitgliedern der Convocation, die von der Congregation gewählt werden. Dazu kommt schließlich noch eine sehr wenig wichtige Behörde, das sogen. Ancient House of Congregation, das die vom Kanzler ernannten Examinatoren in ihrem Amt bestätigt und die akademischen Würden erteilt. Die Universitätsbeamten tragen dieselben Titel wie in Cambridge. O. hat augenblicklich an von der Universität selbst angestellten Dozenten 53 Professors, 17 Readers und 13 Lecturers, dazu kommen viele Demonstrators etc. sowie die Taylorian Teachers der neuern Sprachen. Von den Professoren beziehen 25 Gehalt von 700–900 Pfd. Sterl. Studenten werden nach einem Eintrittsexamen (respensions) zugelassen und müssen im Lauf ihrer drei bis vier Universitätsjahre zu je vier Terms mindestens drei Examina bestehen, um den Grad eines Baccalaureus zu erringen, nämlich Responsions (Smalls in der Studentensprache), Moderations und die Pass Examination. Letztere beschränkt sich auf drei Gegenstände, zu denen Griechisch oder Lateinisch nicht gerade gehören müssen. So erhält man seinen Pass, auch wenn man z. B. nur in Deutsch, den Elementen der Geometrie und englischer Geschichte geprüft wird. Kandidaten, die in der Schlußprüfung mit Auszeichnung (with honours) zu bestehen wünschen, und dies sind weitaus die meisten, werden meiner der neun sogen. Schulen (schools), den Cambridger Triposes entsprechend, examiniert, als: literae humaniores, d.h. Lateinisch, Griechisch, Logik und Philosophie; Mathematik; Naturwissenschaft; Rechtswissenschaft; neuere Geschichte; Theologie; orientalische Sprachen; Englisch; neuere Sprachen. Nach 3–4 Jahren erhalten die Baccalaurei gegen Erlegung bestimmter Gebühren, aber ohne jede weitere Prüfung, den Grad eines Magister. Für andre Würden gibt es besondere Examina. Die Einnahmen der Universität und der Colleges belaufen sich auf ca. 325,000 Pfd. Sterl., wovon die Vorstände des College und die 385 Fellows 132,000 Pfd. Sterl. erhalten. Das Patronatsrecht erstreckt sich auf 439 Pfründen im Jahreswert von 187,660 Pfd. Sterl. Eine wertvolle Förderung erhielt das Studium 1902 durch die Stiftung von zahlreichen Stipendien für Angehörige der englischen Kolonien, der Vereinigten Staaten von Nordamerika und Deutschlands (für diese 5 à 5000 Mk. auf 3 Jahre) durch Cecil Rhodes; sie werden unmittelbar vom Kaiser ernannt. Die Universitätsanstalten sind in O. noch zahlreicher und reichlicher ausgestattet als in Cambridge. Die Bodleian Library, 1602 gestiftet, enthält 500,000 Bände, 30,000 Handschriften und 50,000 Münzen nebst einer Gemäldesammlung. Die University Galleries, 1845 eröffnet, enthalten reiche Kunstschätze, einschließlich vieler Originalzeichnungen von Raffael und Michelangelo, und in Verbindung mit denselben steht die von Ruskin 1872 gegründete Kunstschule. Daneben liegt die 1847 für den Unterricht in den neuern Sprachen errichtete Taylor Institution mit Bibliothek. Das University Museum (1855–60 erbaut) enthält naturwissenschaftliche Sammlungen und die von Radcliffe (gest. 1714) gegründete Bibliothek, neben demselben steht ein Laboratorium. Erwähnung verdienen ferner das Ashmolean Museum (1679–83) mit einer Kuriositätensammlung; das Sheldonian Theatre (1644–49 von Sir Christopher Wren erbaut), wo die Universitätsfeierlichkeiten stattfinden; die beiden Sternwarten; die vortreffliche Universitätsdruckerei (s. Clarendon Press); der Botanische Garten.

Von den Colleges ist das 1249 gestiftete University College das älteste, Hertford College (1874 gestiftet) das jüngste, aber Christ Church (College) bei weitem das bedeutendste. Von Kardinal Wolsey 1532 gegründet, wurde es von Heinrich VIII. 1546 mit glänzender Freigebigkeit ausgestattet. Den Eingang zu ihm bildet das nach der im Turm hängenden großen Glocke genannte »Tom gate«. Hier, wie in den meisten andern Colleges, sind die ursprünglichen Bauten durch spätere Architekten vielfach erneuert oder erweitert worden, so daß neben dem gotischen Stil oft auch die Renaissance zur Geltung kommt. Balliol College, obgleich bereits 1263 gegründet, ist in seinen Gebäuden fast ganz neuen Ursprungs. Die Kapelle von Exeter College ist eine Nachahmung der Sainte Chapelle zu Paris von G. Scott; Merton College (1264 gestiftet) hat im Mob-Quad einen der schönsten und zugleich den ältesten aller Höfe Oxfords; Magdalen College (spr. módlen. 1458 gestiftet) zeichnet sich durch seinen schönen gotischen Turm und seine Gärten am Ufer des Cherwell aus; New College wurde von seinem Gründer, dem Bischof und Baumeister Wykeham, 1380–85 teilweise selbst erbaut. Die andern Colleges sind: All Souls (1437), Brasenose (1509), Corpus Christi (1516), Jesus (1571), Keble (1870), Lincoln (1427), Oriel (1326), Pembroke (1624), Queen's (1340), St. John's (1555), Trinity (1554), Wadham (1612) und Worcester (1714). Außer der ältern St. Edmund-Hall bestehen noch drei sogen. Privathallen, abgesehen von dem St. Stephen's House (seit 1876), für Studenten, die sich der Heidenmission zu widmen gedenken, sowie den nicht eigentlich zur Universität gehörigen Wycliffe Hall (1878) für Anglikaner, Mansfield College (1886) für Dissidenten, Manchester New College (seit 1786 in Manchester, 1893 in O. eröffnet) für Unitarier. Ferner hat man auch in O. vier Colleges für Damen ins Leben gerufen, nämlich Lady Margaret College, Somerville Hall, St. Hugh's Hall und St. Hilda's. Sie sind aber viel kleiner als die beiden großen Cambridger Frauencolleges. Endlich haben sich St. David's College (Lampeter), University College (Nottingham), Firth College (Sheffield), Reading College und Hartley College (Southampton), ferner die Universitäten in Kapstadt, Sydney, Kalkutta, Lahor (Pandschab), Bombay, Adelaide, Madras, Melbourne, Neuseeland, Allahabad, Toronto, Tasmania, Montreal, Neu-Braunschweig, Malta, King's College (Windsor in Neuschottland) und Dalhousie University (Halifax in Neuschottland) der Universität affiliiert. Unter den Kirchen sind am bemerkenswertesten die St. Peterskirche mit Krypta und Chor im normannischen Stil, teilweise noch aus dem 12. Jahrh., die Marien- oder Universitätskirche, 1300–1498 erbaut, und die bereits 1180 eingeweihte, jetzt protestantische Kathedrale, ursprünglich Kirche der Abtei der heil. Frideswide. Nicht weit von der Universitätskirche steht das von G. Scott erbaute Denkmal der Märtyrer Ridley, Latimer und Cranmer, die 1555 und 1556 in der Nähe (in Broad Street) verbrannt wurden. O. hat ferner ein neues Stadthaus (mit Freibibliothek), eine neue Kornbörse, eine Grafschaftshalle, ein Lehrerinnenseminar, eine städtische Gewerbeschule und mehrere höhere Schulen, ein Theater, eine Musikhalle und ein Ballspielhaus (tennis-court); den breitern Fluß beleben, wie in Cambridge, die zahlreichen Boote und die prächtigen Boothäuser der Ruderklubs. Im benachbarten Dorf Cuddesdon (272 Einw.) steht der Palast des Bischofs von O. und ein anglikanisches Priesterseminar (College). – O. gehört seit den ältesten Zeiten neben London und Canterbury zu den bedeutendsten Städten Englands und erhielt seinen ersten Freibrief von König Heinrich I. König Stephan belagerte die Stadt 1142, und Heinrich II. ernannte 1155 Anton von Vare zum ersten Grafen von O. Über die sogen. Provisionen von O. von 1258 s. Großbritannien (S. 392). Das Bistum zu O. wurde 1541 gegründet. Vgl. »Oxford University Calendar« (jährlich im Herbst, zuverlässig); Ingram, Memorials of O. (2. Aufl., Lond. 1847, 2 Bde.); Arnold, O. and Cambridge, their colleges, etc. (das. 1873); Boase, O. (in »Historic towns«, das. 1887); Andrew Lang, O. (neue Ausg., das. 1905); Stedman, O., its life and schools (das. 1887); Lyte, History of the University of O. to 1530 (das. 1887); Brodrick, History of the University of O. (das. 1886); J. Wells, O. and O. Life (1892); Clark, Colleges of O., their histories and traditions (2. Aufl., das. 1893); »The historical register of the University of O.« (Oxf., von Zeit zu Zeit); »The students handbook to the University and Colleges of O.« (das. jährlich); »The Examination Statutes« (»Clarendon Press«, 1905, jährlich; offiziell); »Oxford University Programme of special studies, together with some account of opportunities for special work or research existing in the University« (Oxf., »Clarendon Preß«, 1904).

2) Hauptort der Grafschaft Lafayette im nordamerikan. Staat Mississippi, 100 km südöstlich von Memphis, Sitz der Staatsuniversität (ausschließlich für Weiße), mit (1900) 1825 Einw. – 3) Ort im Staat Ohio, Sitz der Miami-Universität, des Oxford College und des Western Seminary, beide für Damen, mit (1900) 2009 Einw.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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