Owambo

Owambo

Owambo (Ovampo), ein den Herero und Bergdamara nahestehendes Bantuvolk in Deutsch-Südwestafrika, in dem vom Kunene, Okavango und dem 19.° südl. Br. eingeschlossenen Dreieck (s. Karte bei Artikel »Herero«), ist etwa 60,000 (nach andern 100,000) Köpfe stark, zerfällt in politisch getrennte, sonst aber naheverwandte Stämme: Oudonga, Uukuanjama und Ombandja onene, Ongandjera, Uukaluzi, Ehanda, ferner Ombarantu, Ombandja oshona, Evare, Okochima und Ehanda. Die O., schokoladebraun, gedrungen, aber nicht sehr muskulös, mit ovalem Gesicht, niedriger Stirn, hervortretenden Backenknochen und spärlichem Bartwuchs, zeigen, an absolutes Regiment gewöhnt, sich dem sozial über ihnen Stehen den unterwürfig und diensteifrig, stolz und tyrannisch gegen den Untergebenen. Au nationalen Sitten, Kleidung und Kultus hängen sie zäher als ihre Nachbarn, die Ovahereró. Groß ist ihre Neigung zum Stehlen (der Ertappte wird verhöhnt und bestraft); in geschlechtlicher Beziehung stehen sie weit über ihren Nachbarn. Die Kleidung der Männer besteht aus einem 30 cm breiten, mehrfach um den Leib geschlungenen rindsledernen Gürtel mit Schamschürze, die Fußbekleidung aus Sandalen; dazu kommen Pfeife, Schnupftabaksdose, Dolchmesser. Hauptbekleidungsstück der Frauen ist ein Röckchen von zahlreichen Ringen der Scheibchen von Straußeneierschalen, mit Eisenperlen geschmückte Lederlappen, Spangen aus Eisenperlen und Kupferdraht. Vom Kopf, der mit pechartiger Schicht beklebt ist, hängen 20–30, bis 1,5 m lange Stränge aus Palmblattfasern herab. Die ursprünglichen Waffen (Bogen, vergiftete Pfeile, eiserne Lanze, Wurfkeule) haben zumeist Feuerwaffen verdrängt. Die kreisrunden, kegelförmigen, niedrigen Hütten bestehen aus Pfählen, die mit Lehm und Mist überschmiert werden; sie sind von Palisaden und Dornhecke umgeben. Die O. lieben Tanz und Musik. Sie treiben besonders Ackerbau, bei dem sie Mist zur Düngung verwenden. Hauptbodenprodukte sind Kafferkorn, Hirse, Bohnen, etwas Mais, Maniok, Bataten, Erdnüsse und vor allem Tabak. Die Viehzucht steht nicht hoch; die kleinen Rinder gehören dem König; den Milchgenuß lieben sie wenig. Ziegen und Hühner sind häufig, Schafe sehr selten. Pferde besitzen nur die Reichen, Hunde, Stachelschweine und Landschildkröten werden als Leckerbissen geschätzt, Kröten und Fische allgemein gegessen, Salz aus den Salzpfannen gewonnen. Allgemeinstes Nahrungsmittel ist Kornbrei; ein berauschendes Getränk bereitet man aus Kafferkorn und aus den Früchten der Sclerocarya Schweinfurthiana. Außer Adligen (Ekuanakamba), aus denen der Häuptling hervorgeht, gibt es (im N.) Priester (Ekuananime) und das gemeine Volk. Allgemein glaubt man an ein höchstes Wesen, ein Leben nach dem Tode, Zauberei, Regenmacherei. Der Häuptling, unbeschränkter Herr über Leben und Besitz seiner Untertanen, muß in äußern Angelegenheiten einer Anzahl Räte Gehör geben. Die O. blieben während des Aufstandes der Herero (1904/05) im wesentlichen ruhig und werden als Arbeiter für die Kolonie noch eine wichtige Rolle spielen. Vgl. Schinz, Deutsch-Südwestafrika (Oldenb. 1891); Seidel, Grammatiken der Hauptsprachen Deutsch-Südwestafrikas, Bd. 3 (Wien 1892); Passarge, Die Kalahari (Berl. 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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